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Tipps zum Jurastudium #10

Kurz vorgestellt:

In der Examensvorbereitung darf das höchst prüfungsrelevante Verwaltungsrecht keinesfalls fehlen, so dass ich auch gute Fallsammlungen zu diesem Bereich suchte. Nachfolgend möchte ich zwei Werke hierzu vorstellen. Beide wurden mir freundlicherweise vom Beck-Verlag als Rezensionsexemplare zur Verfügung gestellt.

Böhm/Gaitanides, Fälle zum Allgemeinen Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2007, 19,90 €

Das 30 Fälle umfassende Werk zum Allgemeinen Verwaltungsrecht aus der JuS-Schriftenreihe (Band 54) von Monika Böhm und Charlotte Gaitanides wendet sich an fortgeschrittene Studenten und ist vom Schwierigkeitsgrad auf das Examen zugeschnitten.

Was auffällt ist, dass die Fälle sehr ausführlich im Gutachtenstil gelöst sind. Das ist meistens eher erfreulich, weil durch die ausführliche Herleitung Kontext vermittelt wird und man in einer richtigen Klausur sich immer noch notfalls kürzer fassen kann.
Manchmal werden in dem Buch (meinem Geschmack nach) einige Streitigkeiten aber etwas zu breit ausgeführt, u.a. in Fall 2 sind die Ausführungen zur Bestimmtheit der polizeirechtlichen Begriffe der "öffentlichen Sicherheit und Ordnung" Kernbestandteil eines ganzen Falles. Zumeist genügt in Polizeirechtsfällen jedoch eine knappe Ausführung, wenn überhaupt.

Zu gute halten kann man dem Werk, dass es eine Vielzahl an examensrelevanten Problemen des Allg. Verwaltungsrechts und des Staatshaftungsrechts abdeckt und sich das Buch damit tatsächlich auf Höhe des Staatsexamens befindet.

Wenn in einem Fall Normen des Besonderen Verwaltungsrechts eine Rolle spielen, ist das Landesrecht Nordrhein-Westfalens zugrunde gelegt worden. Daraus entstehen aber weitgehend keine Nachteile, da die Parallelnormen der anderen Bundesländer ebenfalls genannt werden. Es kann aber auf dem ersten Blick etwas verwirren, wenn man anderes Landesrecht gewohnt ist (Föderalismus at its best).

Das Layout und die grafische Gestaltung entspricht dem der anderen Bände aus der JuS-Reihe. Besondere Highlights, wie farbige Hervorhebungen oder andere grafische Auflockerungen, erwarten einem daher nicht. Auch auf Fettdruck wurde im Fließtext verzichtet, allenfalls finden sich kursiv hervorgehobene Wörter, das aber nur bei Namensbezeichnungen. Das macht das Lesen leider zu einem recht trockenen Vergnügen.

Auch fiel auf, dass der Zahn der Zeit leider an dem Werk zu nagen beginnt. Beispielsweise wiederum Fall 2, bei dem zwar die verwaltungsrechtliche Problematik nach wie vor aktuell ist, aber die Fall-Einkleidung wegen des Aspekts der Diskriminierung und dessen einfachrechtlicher Ausgestaltung nunmehr im AGG überholt ist.

Fazit: Ein Blick hinein sei jedem mal empfohlen, doch ist es nicht unbedingt ein Kauftipp.


Seidel/Reimer/Möstl, Besonderes Verwaltungsrecht, 3. Aufl. 2009, 24,90 €

Im November 2009 ist die aktuelle Auflage dieses Werkes in der Reihe "Beck'sches Examinatorium im Öffentlichen Recht" erschienen. Im Unterschied zu gewöhnlichen Fallsammlungen wird in dieser Reihe das examensrelevante Wissen aus dem Bau- und Polizeirecht in Form von 21 Fällen vermittelt, unter zur Hilfenahme vieler didaktischer Hinweise.

Zu Grunde gelegt wird das Landesrecht Bayerns, es finden sich jedoch oft die Parallelnormen der anderen Länder in den Fußnoten. Es gibt aber Fälle in denen Parallelregelungen nur aus einzelnen Ländern genannt werden. Im Übrigen wird aber der löbliche Versuch unternommen auf die Besonderheiten der unterschiedlichen Landesregelungen einzugehen, so dass ein Arbeiten mit dem Buch außerhalb Bayerns weitestgehend möglich ist. Allerdings ergibt sich (gerade im Polizeirecht) auch landesrechtbedingt u.U. ein ungewohnter Aufbau (Standard: Ermächtigungsgrundlage - formelle Rechtmäßigkeit - materielle Rechtmäßigkeit), der aber erläutert wird und sich dann doch nicht maßgeblich von dem Gewohnten unterscheidet.

Die Fälle sind allesamt auf Examensniveau und daher umfangreich als auch anspruchsvoll. Die Lösungen lassen aber auch keine Wünsche offen und liefern oft zusätzlich wertvolle Hinweise zur Vertiefung. Leseempfehlungen aus Literatur und Rechtsprechungen runden die Falllösungen am Ende ab.

Das Layout ist übersichtlich, ein Vorteil des großen Formates. Nachteil dessen ist die Handlichkeit, wobei sich dies verschmerzen lässt, weil man in der Regel ja eine Leseunterlage hat, wenn man mit dem Buch arbeitet.
Mit Fettdruck im Fließtext wird sparsam gearbeitet. Die didaktischen Hinweise finden sich in Kästen im Fall integriert und grenzen sich optisch damit vom Fließtext dezent ab.

Fazit: Ein Tipp nicht nur für bayerische Examenskandidaten, die sich anhand komplexer Fälle das Wissen zum Staatsexamen im Bau- und Polizeirecht aneignen wollen.

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