12 Dezember 2011

Tipps zum Jurastudium #30

Wer später einmal mit Unternehmen zu tun haben möchte, sollte dem Handels- und Gesellschaftsrecht etwas abgewinnen können. Aber auch im Examen spielen jene Rechtsgebiete in Grundzügen eine gewisse Rolle. Deswegen widme ich dem aktuellen Post Rezensionen über einige empfehlenswerte Werke.

Zum Einstieg:

1) Schwabe/Pelzer, Lernen mit Fällen - Handels- und Gesellschaftsrecht - Materielles Recht & Klausurenlehre, 3. Auflage 2009 [aktuell ist allerdings die mir nicht vorliegende 4. Auflage von 2010], 18,90 €


Das Werk von Schwabe/Pelzer ist denkbar gut für ein erstes Einarbeiten in die Materie geeignet. Man bekommt nicht lediglich ein Fallbuch in die Hand. Was das Buch auszeichnet ist eine leicht nachvollziehbare Schritt-für-Schritt-Erarbeitung der Lösung von insgesamt 24 Fällen, wovon 11 auf das Handelsrecht und der Rest auf das Gesellschaftsrecht entfallen. Der Sprachstil ist recht locker gehalten und verzichtet auf unnötigen professoralen Ballast. Ein Kernwissen lässt sich damit recht zügig aneignen, obwohl andererseits gerade im Gesellschaftsrecht größere Lücken geblieben sind, die anderweitig aufgearbeitet werden sollten.

Gefallen hat mir auch die Strukturierung und die Präsentation. Definitionen und wichtige Hinweise werden optisch abgegrenzt und in Kästchen vom Haupttext abgehoben. Am Ende findet sich dann das ausformulierte Gutachten. Ansonsten ist das Layout eher zweckmäßig und unauffällig gestaltet.

Keine Illusionen sollte man sich aber über den Schwierigkeitsgrad der Fälle machen. Jene sind eher kurz, knapp und einfach gehalten. Im Examen wird da deutlich mehr auf einen zukommen. Zur Wissensvermittlung erfüllen sie jedoch ihren Zweck.

Fazit: Auf knapp 330 Seiten findet sich ein guter Einstieg in die Materie, die dank des flüssigen Schreibstils und der guten Erläuterungen recht schnell durchgearbeitet sind.


2) Wank, Handels- und Gesellschaftsrecht, 2. Auflage 2010, 21 €

Ein ähnliches Ziel, aber eine andere Strategie verfolgt das in der Reihe Academia Iuris - Examenstraining  erschienene Werk von Rolf Wank.

Vorangestellt werden Wiederholungs- und Vertiefungsfragen, die das Lernen unterstützen sollen. Daraufhin wird in den Kapiteln abstrakt einiges Wissen in kompakter Lehrbuch-Form präsentiert und am Ende des Kapitels greifen kleinere Fälle die zuvor behandelte Thematik noch einmal auf und vertiefen sie zum Teil.

So richtig warm mit dem Werk wurde ich allerdings nicht. Einerseits bietet der Wank durchaus einige lobenswerte Details in einzelnen Bereichen, die ein "mehr" an Kontext vermitteln. Andererseits bleibt er hinter der Kombination des Schwabe/Pelzer mit dem Timm/Schöne deutlich zurück was die Lesbarkeit und Verständlichkeit, bzw. den Stoffumfang angeht. Die Idee mit den Wiederholungs- und Vertiefungsfragen leuchtet ein, doch fehlt mir insgesamt ein stärkerer Fallbezug in seinem didaktischen Konzept. Zu viele wichtige Details werden nur abstrakt angesprochen, aber nicht in Fallform dargestellt.

Fazit: Als Ergänzung kann ein Blick hinein nicht schaden. Doch würde ich die hier genannten Alternativen bevorzugen.

Zur Vertiefung:

Timm/Schöne, Fälle zum Handels- und Gesellschaftsrecht, Band I, 8. Auflage 2010, 22,80 €

Schon eher als klassische Fallsammlung lässt sich das Werk von Timm/Schöne bezeichnen. Der erste Band widmet sich dem praxis- und examensrelevanten Prüfungsstoff in 25 Fällen. Die Musterlösungen sind dabei recht ausführlich geraten und decken damit mehr ab, als in einer Klausur realistischerweise erwartet werden kann. Anders als beim oben genannten Einstiegswerk ist es allerdings durch die Autoren nicht beabsichtigt auf induktivem Weg in die Rechtsmaterie einzuführen. Die Vollständigkeit der Stoffdarstellung sollte ebenso nicht erreicht werden.

Selbst für Examenskandidaten ist der einführende Teil zu den Besonderheiten innerhalb der Fallbearbeitung im Handels- und Gesellschaftsrecht eine Bereicherung. Denn hier wird auf Besonderheiten in Abgrenzung zum allgemeinen Zivilrecht Bezug genommen.

Die Fälle sind allesamt recht umfangreich sowie sauber gelöst und vom Schwierigkeitsgrad deutlich näher am Examen dran. Manche Formulierungen sind auch komplexer gewählt und nicht so eingängig wie beim Schwabe/Pelzer. Das macht das Werk zu einem schwierigeren Brocken, doch eignet es sich dadurch hervorragend zur Wiederholung und Vertiefung. Das Gesellschaftsrecht ist hier breiter vertreten (16 von 25 Fälle) und deckt auch etwas tiefer ins Detail gehende Konstellationen ab.

Fazit: Für die Vertiefung unbedingt einen Blick hinein werfen. Der Timm/Schöne bietet anspruchsvolle sowie sauber gelöste Fälle auf hohem Niveau.

Für den Schwerpunktbereich:

Timm/Schöne, Fälle zum Handels- und Gesellschaftsrecht, Band II, 7. Auflage 2010, 21,50 €

Der zweite Band von Timm/Schöne hat Stoff zum Gegenstand, der inhaltlich dem Schwerpunktbereich "Wirtschafts- und Unternehmensrecht" zuzuordnen ist. Neben einigen Fällen mit speziellen handels- und personengesellschaftsrechtlichen Fragestellungen liegt der Schwerpunkt auf kapitalgesellschaftsrechtlichen Problemen. Daneben finden sich konzernrechtliche Fälle, aber auch die Themen Umwandlung und internationales Gesellschaftsrecht werden nicht ausgeklammert.

Inhaltlich kann ich nur das zum Band I getroffene Beobachtung wiederholen, dass die Fälle recht anspruchsvoll und gut gelöst erscheinen. Da ich allerdings keine Fachexpertise in diesem Schwerpunkt vorweisen kann, erlaube ich mir da kein abschließendes inhaltliches Urteil.

29 Juni 2011

US Supreme Court kippt Abgabeverbote für Computerspiele

Richtig so, US Supreme Court! Eben jener hat ein nie in Kraft getretenes Gesetz aus Kalifornien für nichtig erklärt, welches ein Abgabeverbot von bestimmten Computerspielen an Minderjährige vorsah. Ein solches verstößt gegen den Grundsatz des "Free Speech".


Die deutsche Gängelung Minderjähriger ist mir als passionierter Computerspieler seit Jahren ein Dorn im Auge. Der deutsche Jugendschutzwahn ist nämlich auch so eine Sache, bei der "gut gemeint" nicht gleichzusetzen ist mit "gut gemacht". Die sich moralisch überhöhende deutsche Presseberichterstattung zu jenem Urteil diskreditiert sich einmal wieder selbst ("bluttriefende Spiele").

Aus der Urteilsbegründung:

[...] Because the Act imposes a restriction on the content of protected speech, it is invalid unless California can demonstrate that it passes strict scrutiny, i.e., it is justified by a compelling government interest and is narrowly drawn to serve that interest. R. A. V. v. St. Paul, 505 U. S. 377, 395. California cannot meet that standard. Psychological studies purporting to show a connection between exposure to violent video games and harmful effects on children do not prove that such exposure causes minors to act aggressively. [Hervorhebung durch Seylaw]

Any demonstrated effects are both small and indistinguishable from effects produced by other media. Since California has declined to restrict those other media, e.g., Saturday morning cartoons, its video-game regulation is wildly underinclusive, raising serious doubts about whether the State is pursuing the interest it invokes or is instead disfavoring a particular speaker or viewpoint. California also cannot show that the Act’s restrictions meet the alleged substantial need of parents who wish to restrict their children’s access to violent videos. The video-game industry’s voluntary rating system already accomplishes that to a large extent. Moreover, as a means of assisting parents the Act is greatly overinclusive, since not all of the children who are prohibited from purchasing violent video games have parents who disapprove of their doing so. The Act cannot satisfy strict scrutiny.


Fragt sich nur, wann endlich auch deutsche Medienvertreter - wie auch Politiker - einmal zur Kenntnis nehmen, dass es keine psychologisch nachweisbare Beziehung von Gewalt haltigen Computerspielen zu aggressivem Verhalten Minderjähriger gibt?!

Statt staatlicher Bevormundung sollten die Eltern entscheiden, was sie ihren Kindern kaufen bzw. im Auge haben, was jene sich selbst kaufen. Das freiwillige Alterskennzeichnungssystem der Industrie ist dafür ausreichend genug.

03 Juni 2011

Tipps zum Jurastudium #29

Abbo Junker, Grundkurs Arbeitsrecht, 10. Auflage 2011, 28 €


Äußerst praxisrelevant, aber eher selten (aber dennoch nicht zu vernachlässigen!) im Examen anzutreffen, ist das Arbeitsrecht. Seit nunmehr 10 Jahren ist der Grundkurs von Abbo Junker auf dem Markt. Grund genug sich das oft empfohlene Referenzwerk einmal näher anzuschauen.

Das Buch behandelt sowohl das Individual-, wie auch das Kollektivarbeitsrecht (letzteres gehört oftmals nicht zum Pflichtfach-Prüfungsstoff im 1. Staatsexamen, findet sich aber in entsprechenden Schwerpunktbereichen). In einem gesonderten Kapitel wird das Verfahrensrecht erläutert.

Die Präsentation des Stoffes ist eher schlicht, aber zweckmäßig gehalten. Genügend Absätze, Fettdruck, und Übersichten lockern das Schriftbild etwas auf.

Das Werk ist, wie der Name "Grundkurs" impliziert, an diejenigen ausgerichtet, die sich erstmalig mit diesem Rechtsgebiet beschäftigen (müssen). Insbesondere die am Ende von jedem Kapitel vorhandenen zahlreichen (179)* Wiederholungsfragen und (17)* Übungsfälle samt ausformulierten Lösungen sorgen dafür, dass der theoretisch-abstrakte Stoff besser durchdrungen wird. Gerade weil sich das Arbeitsrecht auf viele Einzelgesetze verteilt und auch durch die Rechtsprechung sich viel Fallrecht angesammelt hat, ist es dem Autor weitgehend gelungen einen Überblick über den examensrelevanten Teil des Arbeitsrechts zu vermitteln.

Gelegentlich stört es jedoch den Lesefluss, wenn Junker bis dahin unbekannte Dinge vorgreift und nach hinten im Buch für die nähere Erklärung verweist. Auch wird eine solide Vorkenntnis in allgemeinen zivilrechtlichen Fragen (bspw. BGB AT, AGB-Kontrolle) vorausgesetzt, die aber auch von Studenten auf dieser Wissensstufe erwartet werden darf.

Für das allgemeine Verständnis wichtig sind die mit "Durchblick" bezeichneten Vertiefungshinweise, in denen Informationen vermittelt werden, die u.a. den nicht-juristischen Kontext ausleuchten oder auf Entwicklungen in der Rechtspraxis hinweisen.

Raum für Verbesserungen besteht allerdings noch: Bei einigen Konstellationen wäre es wünschenswert einen besseren Fallbezug herzustellen (u.a. bei der Verdachtskündigung) und ggfs. auf Besonderheiten bei der gutachterlichen Prüfung hinzuweisen. Das Werk hat trotz der Übungsfälle eben doch den Charakter eines "professoralen" Lehrbuchs. Wem das nicht gefällt, sollte sich einmal den Reichold aus der Reihe "Lernbücher Jura" des gleichen Verlags anschauen.

Fazit: Wer ein Lehrbuch für den Pflichtfachstoff sucht, bekommt beim Junker eigentlich mehr, als er braucht. Schwerpunktstudenten kommen dagegen voll auf ihre Kosten. Dennoch ist auch für Pflichtfachstoffstudenten das Werk empfehlenswert. Der Inhalt ist solide aufbereitet und dank des Übungsfälle samt Lösungen und der Wiederholungsfragen auch mit einem didaktischen Konzept versehen.

* = Die genannten Zahlen beziehen sich alleine auf den Individualarbeitsrechts-Teil

10 April 2011

Tipps zum Jurastudium #28

Andreas Paulus, Beck'sches Examinatorium - Staatsrecht III mit Bezügen zum Völker- und Europarecht, 2010, 24,90 €


Das Staatsrecht III wird in der Examensvorbereitung gerne etwas ausgeblendet. Das sollte es aber nicht: Jüngst wurde u.a. die Sicherungsverwahrung als Anlass genommen dieses Rechtsgebiet in den Examenskampagnen der Länder abzuprüfen. Man tut daher gut daran ein paar Grundlagen in jedem Fall parat zu haben.

In dem Werk findet der Examenskandidat recht aktuelle Probleme, die sich in dem Gebiet in jüngerer Vergangenheit aufgetan haben (u. a. DocMorris, Kücükdevici, Waldschlösschenbrücke, Aufklärungs-Tornados in Afghanistan, Vorratsdatenspeicherung, Zulassung zum Hochschulstudium für Unionsbürger). Die Problematik zur nachträglichen Sicherungsverwahrung wird in einem Exkurs angerissen und basiert (noch) auf der Görgülü-Entscheidung.

Seit dem 1.1.2011 ist übrigens eine Neuregelung zur Sicherungsverwahrung in Kraft (mehr dazu hier). Die grundsätzlichen Fragen zum Verhältnis EMRK vs GG bleiben selbstredend unverändert und sollten bekannt sein.

Zu Form, Layout und Zielsetzung gilt das für vergleichbare Werke aus dem Beck'schen Examinatorium. gesagte

Inhaltlich merkt man den Fällen an, dass sie etwas stärker auf (Muster-)Klausurlösung getrimmt wurden, als auf umfassende Wissensvermittlung. Wobei auch hier mit vielen Exkursen und Hinweisen gearbeitet wird, so dass die Wissensvermittlung nicht zu kurz kommt. Andere öffentlich-rechtliche Werke aus der gleichen Reihe sind jedoch noch umfassender bzw. zeigen einen dogmatisch tieferen Einblick auf, der selbstredend nicht so als Klausurlösung erwartet wird. Das Fehlen jener dogmatischen Detailtiefe mag man daher je nach Betrachtung als Malus oder Plus werten.

Zu erwähnen bleibt, dass sich das Werk durchgängig nach der Gesetzeslage nach dem Vertrag von Lissabon richtet und die Fälle, die ja nach Gesetzeslage vor in Kraft treten jenes Vertrages ergangen sind, auch entsprechend angepasst wurden. Zum Teil ergaben sich hierdurch wesentliche Änderungen, auf die in den Fällen auch eingegangen wird.

Fazit: Unter der Leitung des jetzigen Bundesverfassungsrichters Andreas Paulus ist ein solides und aktuelles Werk für die Examensvorbereitung für das Staatsrecht III entstanden. Auch besetzt das Buch damit eine Lücke am Markt.

14 März 2011

Tipps zum Jurastudium #27

Susanne A. Benner, Klausurenkurs im Familien- und Erbrecht, 3. Aufl. 2010, 20,95 €


vs.

Martin Löhnig, Fälle zum Familien- und Erbrecht, 2. Aufl. 2010, 18,90 €

Stiefmütterlich vernachlässigen viele Examenskandidaten beide Rechtsgebiete, um die es in den heute vorgestellten Werken gehen soll. Das Erbrecht hat dabei eine etwas größere Relevanz als das Familienrecht, ganz vernachlässigen sollte man dennoch beide Gebiete nicht.

Beide Fallbücher verfolgen die gleiche Zielsetzung den Examenskandidaten einen Überblick über den prüfungsrelevanten Stoff zu verschaffen. Doch unterscheiden sich beide merklich von der inhaltlichen Tiefe und der Herangehensweise, die geboten wird.

Der Klausurenkurs von Benner ist in meinen Augen gut für das erstmalige Einarbeiten in die Rechtsgebiete geeignet, da jener sich auf die Vermittlung typisch vorkommender Konstellationen konzentriert und dies für die Grundzüge ausreichend sein sollte. Das Buch trennt beide Rechtsgebiete und handelt in in den Fällen zwar auch die angrenzenden Rechtsgebiete mit ein. Im Familienrechts-Teil finden sich aber ausschließlich Problemschwerpunkte aus jenem Gebiet. Im Erbrechtsteil entsprechend analog aus dem Erbrecht. Kritisch an dem Werk zu bemerken ist der an manchen Stellen nicht gut gelungene Stil, der auch manche Argumente nicht nachvollziehen lässt, wenn man die Materie nicht bereits kennt.

Anders dagegen das Fallbuch von Löhnig, dass vielfach familien- wie erbrechtliche Problemschwerpunkte in den Fällen verzahnt und ebenso Bezüge zu den Nebengebieten (Handels-, Gesellschaftsrecht und ZPO) herstellt. Der inhaltliche Anspruch ist damit höher, da die komplexen "Querverstrebungen" eine vertiefte Kenntnis in den Rechtsgebieten erfordern. Auch der Stil ist auf höherem Niveau. Es fragt sich jedoch, ob die Vorbereitung in dieser Tiefe wirklich notwendig ist. Für Studenten aus dem Schwerpunkt möchte der Autor aber ebenso bedienen, weshalb Examenskandidaten mitunter besser fahren nicht alle Fälle durchzuarbeiten sondern ein paar auswählen.

Zu Layout, Aufbau und den gebotenen Besonderheiten brauche ich mich nicht weiter vertieft zu äußern, da sie von vergleichbaren Werken der gleichen Verlagsreihe nicht weiter abweichen. Das heißt, dass beim Löhnig außer den Hinweisen in den Falllösungen nicht viele "Extras" geboten werden und die Präsentation eher schlicht ist.
Die Repetitoriums-Abschnitte sind bei Benner im Vergleich zu anderen Werken aus der Verlagsreihe recht knapp gehalten. Die Wiederholungsfragen am Ende sind dagegen erfreulich und erfüllen ihren Zweck.

Fazit: Der Klausurenkurs von Benner eignet sich insbesondere gut für die erstmalige Erarbeitung der Grundzüge des Familien- und Erbrechts. Leider trüben im Detail ein paar Schwächen im Stil das Bild. Das Fallbuch von Löhnig wendet sich an erfahrenere Studenten, die sich zum Examen vertiefte Kenntnisse aneignen wollen und ein solides Werk mit einem hohen Anspruch benötigen.

09 März 2011

Tipps zum Jurastudium #26

Heimann/Kirchhof/Waldhoff, Beck'sches Examinatorium - Verfassungsrecht, 2. Aufl. 2010, 24,90 €


Zweiter Herausforderer für die Examensvorbereitung im Staatsrecht ist das nunmehr vorgestellte Werk aus dem "Beck'schen Examinatorium", welches vor ein paar Monaten in aktueller Auflage erschienen ist. Als Referenz steht immer noch der Degenhart im Raum. Ob das Autorentrio da heran kommt?

Aufmerksamen Lesern dürfte die Reihe und deren Konzeption bereits bekannt sein. Für alle anderen sei kurz wiederholt, dass Ziel der Reihe ist das examensrelevante Wissen anhand von anspruchsvollen Fällen abzubilden. Davon finden sich nunmehr 20 im Buch. Vertiefende Hinweise, Anmerkungen und Kommentierungen werden eingestreut, um den Aufbau und die Herangehensweise der Lösung zu verstehen oder relevante Informationen en passent mitzugeben.

Höchst erfreulich ist das von der Reihe bereits gewohnte hohe Niveau der Fälle und dass damit abgedeckte breite Themenspektrum. Es finden sich nicht nur die wichtigsten Standard-Probleme, sondern auch Spezialkonstellationen wieder. Beispielsweise kommen die Bezüge zum Landesverfassungsrecht nicht zu kurz (Fall 18). Auch finden sich Fälle zum Verhältnis Grundgesetz - EU und Völkerrecht (Fall 20, Fall 16, Fall 7) der gar eine Wahlprüfung (Fall 4) in dem Werk wieder. Selbst das Steuerverfassungsrecht ist mit einem Fall bedacht worden (Fall 15).

Aber nicht nur vom Themenspektrum, sondern auch inhaltlich liefert das Werk solide Arbeit, wobei kritisch anzumerken bleibt, dass die Autoren gerne zu dogmatischen Konstruktionen neigen, die vom Bundesverfassungsgericht nicht geteilt werden bzw. in der Lehre nicht ganz so prominent sind. Dies betrifft meist nur Details, die zudem auch von den Autoren angesprochen und erläutert werden. Auch ist die herrschende Position genannt und erläutert worden. In der Tiefe muss man das in einer Examensklausur selbstredend nicht alles bringen. Man darf halt nicht allzu überrascht sein "neues" zu entdecken. Das macht - wie in der Juristerei üblich - auch vor der Terminologie nicht halt. Examenskandidaten sollten sich davon aber nicht mehr durch die Irre bringen lassen. Bei Anfängern, die in dem Werk für eine Hausarbeit stöbern, dürfte dies aber unter Umständen zu Verwirrungen führen.

Im Vergleich zum Degenhart werden leider weniger Übersichten und weitere "Gimmicks" präsentiert. Auch sind die Fälle meist im Fließtext mit wenigen Absätzen gesetzt. Mit Fettdruck wird äußerst sparsam umgegangen und findet sich meist lediglich in den Vertiefungshinweisen. Der Degenhart hatte auch die konventionelleren Falllösungen im Angebot. Dafür deckt er weniger Spezialprobleme ab, die aber mitunter auch im Examen abgeprüft werden.

Fazit: Knapp fällt daher mein Urteil zu Gunsten des Degenharts aus. Beides sind aber solide Werke zur Vorbereitung auf das Staatsrecht und sehr zu empfehlen.

13 Februar 2011

Tipps zum Jurastudium #25 (aktualisiert)

Hilgendorf, Fälle zum Strafrecht für Examenskandidaten - Klausurenkurs III, 2010, 19,80 €


vs.

Beulke, Klausurenkurs im Strafrecht III - Ein Fall- und Repetitionsbuch für Examenskandidaten, 4. Aufl. 2013, 24,99 €

Fallsammlungen zum Strafrecht sind ja recht zahlreich am Markt vertreten. Speziell ausgerichtet an die Bedürfnisse für Examenskandidaten sind dann aber doch die wenigsten. Heute daher mal eine Gegenüberstellung zweier Werke aus eben diesem Bereich.

Neu dabei ist seit Ende 2010 Eric Hilgendorf aus Würzburg mit einer dreibändigen Reihe im Beck-Verlag, differenzierend nach Anfänger, Fortgeschrittene und eben Examenskandidaten. Ganz so neu ist der Band für Examenskandidaten derweil nicht - jener geht in weiten Teilen auf ein Werk aus der JuS-Reihe des Autors zurück.
Unter Jurastudenten sehr beliebt sind die entsprechende Referenzwerke von Werner Beulke aus dem C.F.Müller-Verlag, die schon mehrere Auflagen hinter sich haben und gegen die der Hilgendorf erst einmal bestehen muss - keine leichte Aufgabe!

Schon der erste Blick auf den Hilgendorf ließ mich skeptisch werden, ob da nicht auf dem Buchcover vielleicht zu viel versprochen wurde als letztlich gehalten werden kann. Im Gegensatz zum "dicken Brocken" von über 600 Seiten des Beulke-Klausurenkurses ist der Hilgendorf mit 200 Seiten sehr kompakt gehalten. Nach Lektüre des Vorworts machte sich auch die erste Ernüchterung breit: Keinesfalls soll das Werk alleine für die Examensvorbereitung reichen, erst im Verbund mit den beiden anderen Büchern, welche den Schwerpunkt auf den Allgemeinen Teil des StGBs legen, "kann die Fallsammlung auch zur Examensvorbereitung eingesetzt werden". Sehr überzeugend klingt das nicht. Auch frage ich mich dann, wieso der dritte Band sich explizit an Examenskandidaten wendet und suggeriert wird man bekäme einen kompakten Kurs, der die wichtigsten examensrelevanten Probleme beinhaltet.

Dass es besser geht, zeigt wiederum der Beulke. Dort handelt es um einen in sich geschlossenen Klausurenkurs, der zur Vorbereitung auf das Examen dienen soll und sich vom inhaltlichen Anspruch der Fälle von den Einstiegswerken auch deutlich unterscheidet. Das Werk alleine deckt laut Autor 60-80 % des Examensstoffes ab. Zudem werden die bei Beulke die Problemstände deutlich strukturierter unabhängig vom Fall optisch dargestellt und es finden sich eine Menge "Extras", die das Lernen mit jenem Werk deutlich einfacher machen lassen wie bspw. eine Definitionentabelle und Problemübersicht samt Lösungsvorschlag nach Gesetzessystematik geordnet etc. Auch sind die Fälle im Beulke umfangreicher, tendenziell anspruchsvoller und mit einer StPO-Zusatzfrage versehen (und gelöst), wie sie auch im Examen zu finden sind. Hilgendorf lässt hier ein mehr an Aufwand schmerzlich vermissen.

Der Versuch sich mit dem Werk von Beulke zu messen misslingt dann auch weitestgehend. Über den etwas lieblosen Gesamteindruck mag auch nicht hinwegtrösten, dass die Fälle an sich ordentlich gelöst worden sind.

Fazit: Für etwas mehr Geld bekommt man mit dem Buch von Beulke ein deutlich umfangreicheres, aufwändiger gestaltetes und tiefgründigeres Werk für die Examensvorbereitung an die Hand. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist wirklich unschlagbar! Es sei daher jedermann wärmstens empfohlen. Den Hilgendorf würde ich dagegen höchstens als Ergänzung im Seminar heran ziehen.

Update vom 26.07.2013: Mit der vierten Auflage ist das Werk von Beulke nunmehr auf den aktuellen Stand (April 2013) gebracht worden und erweist sich nach wie vor als Referenz. Änderungen hat es dort gegeben, wo es zwischenzeitlich durch die Rechtsprechung (u.a. "Deal" im Strafprozess) neure Entscheidungen gab. An der gelungenen Konzeption hat sich ansonsten nichts verändert. Das Werk bleibt weiterhin uneingeschränkt zu empfehlen. Gerade Examenskandidaten, die sich ohne Repetitor vorbereiten, werden das Werk zu schätzen wissen.

30 Januar 2011

Welches Auto würde Jesus fahren?

Foto: Der Autor und ein mögliches Gefährt für Jesus?

Der folgende Artikel stammt aus der Feder von Andreas Schröder und verdient es einem breiten Publikum vorgestellt zu werden. Der Autor promoviert an der TU Berlin zum Thema Elektromobilität und engagiert sich im Seniorat des Theologischen Konvikts zu Berlin.


Es gilt als sicher, dass Jesus multimodal reiste. Er ging zu Fuß und verwendete nicht nur Esel sondern auch Schiffe als Transportmittel. Davon zeugt nicht zuletzt die bekannte Geschichte der Sturmstillung am See von Genezareth (Matth. 8,23-27; Mark 4, 35-41; Luk. 8, 22-25). Jesus konnte am selbigen See sogar zu Fuß auf Wasser wandeln (Matth. 14, 22-33; Mark. 6, 45-53; Joh. 6, 16-21). Und irgendwie kam er auch in den Himmel (Luk. 24, 50-53; Mark. 16, 19; Apg. 1, 9-14). Wie aber konnte der Sohn Gottes in den Himmel aufsteigen, als es noch keine Lufthansa gab? Diese Frage bleibt selbst frommen Christen schleierhaft. Der Prophet Elija fuhr bei seiner Entrückung gen Himmel mit einem „feurigen Wagen“ (2. Kön, 2,11). Hier enthält bereits das zweite Buch Könige einen eindeutigen Hinweis auf ein mit Verbrennungsmotor betriebenes Fahrzeug. Sehr nachhaltig! Entgegen weit verbreiteter Annahmen fuhren übrigens weder Elija noch jedwede andere Protagonisten biblischer Zeiten Autos der Marke Ford. Die oft fälschlich zitierte Passage „und sie sündigten in einem Ford“ lässt sich auch in Psalm 78, 32 nicht finden, wo es lediglich heißt „zu dem allen sündigten sie noch mehr […]“. Psalm 68,22 weist allerdings auf die Folgen des Ford-Fahrens hin: „Ja, Gott wird den Kopf seiner Feinde zerschmettern, den Schädel der Gottlosen, die da fortfahren in ihrer Sünde“.

Jesu Lebensweg war mit dem Auftrag verbunden, den Kontakt mit Menschen aus aller Welt zu suchen und dabei häufig unterwegs zu sein. Auf seinen zahlreichen Dienstreisen würde Gottes Sohn sich heutzutage nicht auf öffentliche Verkehrsmittel verlassen können. Nach Erfahrungen mit Vulkanasche, Wintereinbruch, Sommerhitze, Klimaanlagenausfall wäre Jesus spätestens im Jahr 2011 nach Christus auf motorisierten Individualverkehr für Fernreisen umgestiegen. Bleibt nur die Frage: Welches Auto würde Jesus fahren? Unter dem Gesichtspunkt der Wahrung der Schöpfung wäre es angebracht, besonders umweltfreundlich zu fahren. Elektroautos liegen derzeit hoch im Trend. Auch Papst Benedikt XVI hat im Dezember 2010 angekündigt, seinen Fahrzeugbestand von Mercedes G-500 Cabrios mit 14,7 Liter/100km Spritverbrauch um ein Elektroauto zu erweitern und steht in dieser Sache bereits mit der Solarworld AG in Kontakt. Solange aber unser Strommix sich aus Kohle und Uran nährt, ist das vermeintlich saubere Elektroauto nicht vor Gottes Missfallen sicher. Die Alternativen sind ebenso nicht 100% ethisch sauber. Biokraftstoffe treten in Flächenkonkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion, Wasserstoffherstellung ist zu energieintensiv und Erdgas ist eine begrenzte Ressource.

BBC News hat 2009 eine Umfrage unter 4000 Kirchenleitern im Vereinigten Königreich geführt. Das Ergebnis: 29% der Befragten glaubten, Jesus würde heute zu Fuß gehen denn er habe viel mit Menschen zu reden und das gehe nicht in panzerverglasten Limousinen. Es ist auch denkbar, dass Jesus heute – ca. 2011 Jahre alt und im Rollstuhl sitzend – nur noch eingeschränkt mobil wäre. Seiner geistigen Mobilität täte das aber keinen Abbruch.