31 Januar 2010

Tipps zum Jurastudium #12

Kurz vorgestellt


Erbguth, Allgemeines Verwaltungsrecht, 3. Aufl. 2009, 22 €

Im Allgemeinen Verwaltungsrecht gibt es einige Standardwerke, die dem Einsteiger ständig empfohlen werden. Maurer und Detterbeck seien hier beispielsweise namentlich genannt.

Neben diesen durchaus empfehlenswerten "Klassikern" möchte ich hier ein eher im Schatten der oben genannten Autoren stehendes Werk vorstellen. Etwas Sonnenlicht hat es nämlich durchaus verdient. Der Erbguth ist erst seit 2005 auf dem Markt und im September 2009 in der nunmehr 3. Auflage erschienen. Ein Exemplar hat mir dankenswerterweise der Nomos-Verlag zur Verfügung gestellt.

Der Autor versucht mit einer eingängigen Sprache und vielen kleinen eingestreuten Beispielsfällen samt Lösungen die bei Studenten eher unbeliebte Materie aufzubereiten. Im Vergleich zu den oben genannten Klassikern sticht das Buch durch sein durchdachtes, auf Studenten gerichtetes Konzept heraus. Das Buch eignet sich damit vor allem besonders für Einsteiger in die Materie, die sich die theoretischen Grundlagen das erste Mal erarbeiten wollen. Didaktisch wird dies etwa durch Wiederholungs- und Vertiefungsfragen am Ende des Kapitels unterstützt, die dabei helfen sich das Allerwichtigste des Inhaltes besser zu erarbeiten. Gerade auch eine Hilfe ist dies für das mündliche Examen, in dem auch gerne theoretische Fragen gestellt werden, auf die man eine Antwort parat haben sollte. Ebenso erfreulich ist eine Sammlung der wichtigsten verwaltungsrechtlichen Definitionen am Ende des Buches, die man unbedingt wissen muss und nicht bereits schon im Gesetz definiert sind. Im Verwaltungsrecht sind das aber glücklicherweise im Vergleich zum Strafrecht wenige, die auf gut sechs Seiten dargestellt sind und mit Fundstellen im Buch zur Vertiefung versehen wurden.

44 Übersichten und Prüfungsschemata sorgen für eine begleitende Visualisierung des Stoffes.

Gegenstand des Buches ist ebenfalls das Verwaltungsprozessrecht, welches integriert und nicht gesondert im Werk dargestellt wird. Auch finden sich Erläuterungen zum Staatshaftungsrecht, zum Kommunalverfassungsstreit und zum Recht der öffentlichen Sachen. Ebenso werde Bezüge zum Europarecht, etwa die Rücknahme EU-rechtswidriger Verwaltungsakte, angesprochen. Leider haben sich durch den Vertrag von Lissabon die Namen der Artikel verändert und das Werk ist in dieser Hinsicht leider nicht mehr aktuell. Hier muss man fortan also umdenken. Dies stört aber den sonst guten Gesamteindruck nur unwesentlich.

Das Layout der Nomos-Lehrbuchreihe ist modern und auch wenn das Schriftbild im Vergleich zum Detterbeck etwas gedrängter wirkt, ist es doch noch als zweckdienlich und übersichtlich zu bezeichnen. Stichworte heben sich durch Fettdruck vom Fließtext ab. Die kleinen eingestreuten Fälle und deren Lösungen am Ende des Kapitels sind in serifenloser Schrift und mit Icons vom Haupttext abgesetzt.

Erfreulich ist auch, dass in den Fußnoten meist leicht zugängliche Werke zur Vertiefung angegeben werden. Neben den obligatorischen Verweisen auf die Rechtsprechung, auf Zeitschriftenartikel und Standardkommentare, finden sich viele Verweise auf andere gängige Lehrbücher sowie Aufsätzen aus den Ausbildungszeitschriften.

Fazit: Der Erbguth hinterlässt insgesamt einen hervorragenden Eindruck. Endlich ein Professor, der sich an den Bedürfnissen der Studenten orientiert und ein didaktisches Konzept verfolgt, das die Bezeichnung auch tatsächlich verdient. Er ist eine gute Alternative für die (erstmalige) Erarbeitung der Theorie zu den gängigen Standardwerken.

25 Januar 2010

Tipps zum Jurastudium #11

Kurz vorgestellt


Fritzsche, Fälle zum BGB Allgemeiner Teil, 3. Aufl. 2009, 19,90 €

Ausnahmsweise möchte ich an dieser Stelle einmal ein Werk vorstellen, dass sich vorwiegend an Anfänger wendet, aber auch fortgeschrittenen Semestern zur Wiederholung dienen kann. Fritzsches "Fälle zum BGB Allgemeiner Teil" wurde mir vom Beck Verlag zur Verfügung gestellt.

Gerade am Anfang des Studiums wird man vom Stoff erschlagen, der sehr abstrakt ist und sich erst erarbeitet werden muss. Zudem ist die juristische Methodik noch weitgehend unbekannt und untrainiert. Lobenswerterweise nimmt sich Fritzsche daher den Platz dem Studienanfänger über 23 Seiten eine grundlegende und leicht verständliche Einführung zu geben, wie man an die Lösung eines Falles im Zivilrecht heran geht. Jeder gedanklich notwendige Schritt wird erläutert, so dass der Leser weiß, woran man wann denken muss und was davon im Gutachten niedergeschrieben oder weggelassen werden muss.

In den 42 Fällen deckt er, soweit ersichtlich, den wesentlichen Stoff des BGB AT ab. Jeder Fall enthält Vorüberlegungen zu den jeweiligen Problemen, die bei den ersten Fällen ausführlicher gehalten sind und sich später auf die Kernprobleme beschränken, um den jungen Juristen gedanklich an den Fall und dessen Probleme heran zu führen.

Den ersten Auflagen wurde vorgeworfen ein zu hohes Niveau zu haben und Anfänger zu überfordern. Diesen Eindruck kann ich in der mir vorliegenden 3. Auflage von 2009 nicht voll bestätigen. Zwar finden sich auch nach wie vor Fälle, die Stoff beinhalten, der nicht unbedingt häufig in der Anfängerübung Gegenstand von Prüfungen sein wird, weil es sehr viele Gestaltungsmöglichkeiten gibt und einige relevanter als andere sind. Auch mögen unbekannte Normen oder ungewohnte Vertragstypen (= alles außer Kaufverträgen) den Anfänger verwirren. Trotzdessen finden sich keine allzu skurrilen Gestaltungen, die nicht auch Gegenstand einer mittelschweren bis schweren Anfängerklausur sein könnten.

Da einem der BGB AT sowieso sehr lange - bis zur mündlichen Examensprüfung und darüber hinaus -begleiten wird, lohnt sich es hier einmal schwerpunktmäßig viel Fleiß reinzulegen, auch wenn man nicht alles Wissen sofort abrufbar braucht. Selten werden AT-Themen Hauptschwerpunkte nach der Anfängerübung sein, doch gehört vieles, was man in diesem Bereich lernt zu den "Basics", die später auch in anderen Rechtsbereichen einen immer wieder so oder ähnlich begegnen (z.B. Widerruf bei Fernabsatzverträgen, siehe Fall 23; auch Fall 2 geht schon recht in die Tiefe) und leider erst später die Zusammenhänge begreifbar werden.

Ein guter Fußnotenapparat unterstützt einen auch bei Hausarbeiten.

Fazit: Mit dem Fritzsche bekommt der Anfänger eine Fallsammlung auf hohem Niveau, die einsteigerfreundliche Hinweise in die juristische Arbeitsweise enthält. Manche Fälle mögen erst später im Studium relevanter werden; das tut der Qualität aber in meinen Augen keinen Abbruch, sondern sorgt dafür, dass man auch später Freude an dem Buch hat. Für fleißige Studenten, die tiefer einsteigen wollen, in jedem Fall eine Empfehlung!

Wer eine etwas einfachere Kost verschlingen mag, sei auf "Die Anfängerklausur im BGB" von Eltzschig/Wenzel verwiesen, die sich in stärkerem Maße an die Bedürfnisse von Anfängern richtet und vom Stoff her sich auf das Nötigste beschränkt, was man am Anfang wissen sollte. Dazu aber unten mehr.


Eltzschig/Wenzel, Die Anfängerklausur im BGB, 3. Aufl. 2007, 16,95 €

Von der etwas altbackenen und billig wirkenden optischen Aufmachung sollte man sich nicht täuschen lassen. Dieses Buch ist ein Juwel für den überforderten Erstsemester, der nach einer leicht verständlichen Fallsammlung sucht, die einem die allerwichtigsten Bereiche des BGB AT, die man am Anfang wissen und anwenden muss, beibringt. Die Sammlung enthält 26 Fälle.
Im Vergleich zum Werk von Fritzsche muss man aber in der Breite des vermittelten Stoffes Abstriche machen. So findet sich hier u.a. kein Fall zur AGB-Kontrolle.

Auch finden sich kaum weiterführende Literaturhinweise und keine Fußnoten. Die wenigen angegebenen sind dafür sehr hilfreich. Fußnoten sind für das Klausurenschreiben auch nicht erforderlich. Allerdings eignet sich das Buch damit zur Hilfe bei Hausarbeiten nur bedingt. Wer hierauf wert legt, sollte doch lieber zum Fritzsche greifen.

Vertiefungshinweise und abstrakter Stoff werden in eingeschobenen Kästen an entsprechender Stelle des Falles integriert. Das Layout wirkt ansonsten aber etwas bieder, es stört aber nicht beim Arbeiten. Die Übersichtlichkeit und die Lesbarkeit werden davon nicht negativ beeinträchtigt.

Fazit: Für den überforderten jungen Juristen ist das Werk eine Perle, die einem die Fallpraxis in den wichtigsten Bereichen des BGB AT näher bringt. Für alle die tiefer einsteigen wollen, entweder für Hausarbeiten oder für das Examen, seien andere Werke empfohlen.

Tipps zum Jurastudium #10

Kurz vorgestellt:


In der Examensvorbereitung darf das höchst prüfungsrelevante Verwaltungsrecht keinesfalls fehlen, so dass ich auch gute Fallsammlungen zu diesem Bereich suchte. Nachfolgend möchte ich zwei Werke hierzu vorstellen. Beide wurden mir freundlicherweise vom Beck-Verlag als Rezensionsexemplare zur Verfügung gestellt.

Böhm/Gaitanides, Fälle zum Allgemeinen Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2007, 19,90 €

Das 30 Fälle umfassende Werk zum Allgemeinen Verwaltungsrecht aus der JuS-Schriftenreihe (Band 54) von Monika Böhm und Charlotte Gaitanides wendet sich an fortgeschrittene Studenten und ist vom Schwierigkeitsgrad auf das Examen zugeschnitten.

Was auffällt ist, dass die Fälle sehr ausführlich im Gutachtenstil gelöst sind. Das ist meistens eher erfreulich, weil durch die ausführliche Herleitung Kontext vermittelt wird und man in einer richtigen Klausur sich immer noch notfalls kürzer fassen kann.
Manchmal werden in dem Buch (meinem Geschmack nach) einige Streitigkeiten aber etwas zu breit ausgeführt, u.a. in Fall 2 sind die Ausführungen zur Bestimmtheit der polizeirechtlichen Begriffe der "öffentlichen Sicherheit und Ordnung" Kernbestandteil eines ganzen Falles. Zumeist genügt in Polizeirechtsfällen jedoch eine knappe Ausführung, wenn überhaupt.

Zu gute halten kann man dem Werk, dass es eine Vielzahl an examensrelevanten Problemen des Allg. Verwaltungsrechts und des Staatshaftungsrechts abdeckt und sich das Buch damit tatsächlich auf Höhe des Staatsexamens befindet.

Wenn in einem Fall Normen des Besonderen Verwaltungsrechts eine Rolle spielen, ist das Landesrecht Nordrhein-Westfalens zugrunde gelegt worden. Daraus entstehen aber weitgehend keine Nachteile, da die Parallelnormen der anderen Bundesländer ebenfalls genannt werden. Es kann aber auf dem ersten Blick etwas verwirren, wenn man anderes Landesrecht gewohnt ist (Föderalismus at its best).

Das Layout und die grafische Gestaltung entspricht dem der anderen Bände aus der JuS-Reihe. Besondere Highlights, wie farbige Hervorhebungen oder andere grafische Auflockerungen, erwarten einem daher nicht. Auch auf Fettdruck wurde im Fließtext verzichtet, allenfalls finden sich kursiv hervorgehobene Wörter, das aber nur bei Namensbezeichnungen. Das macht das Lesen leider zu einem recht trockenen Vergnügen.

Auch fiel auf, dass der Zahn der Zeit leider an dem Werk zu nagen beginnt. Beispielsweise wiederum Fall 2, bei dem zwar die verwaltungsrechtliche Problematik nach wie vor aktuell ist, aber die Fall-Einkleidung wegen des Aspekts der Diskriminierung und dessen einfachrechtlicher Ausgestaltung nunmehr im AGG überholt ist.

Fazit: Ein Blick hinein sei jedem mal empfohlen, doch ist es nicht unbedingt ein Kauftipp.


Seidel/Reimer/Möstl, Besonderes Verwaltungsrecht, 3. Aufl. 2009, 24,90 €

Im November 2009 ist die aktuelle Auflage dieses Werkes in der Reihe "Beck'sches Examinatorium im Öffentlichen Recht" erschienen. Im Unterschied zu gewöhnlichen Fallsammlungen wird in dieser Reihe das examensrelevante Wissen aus dem Bau- und Polizeirecht in Form von 21 Fällen vermittelt, unter zur Hilfenahme vieler didaktischer Hinweise.

Zu Grunde gelegt wird das Landesrecht Bayerns, es finden sich jedoch oft die Parallelnormen der anderen Länder in den Fußnoten. Es gibt aber Fälle in denen Parallelregelungen nur aus einzelnen Ländern genannt werden. Im Übrigen wird aber der löbliche Versuch unternommen auf die Besonderheiten der unterschiedlichen Landesregelungen einzugehen, so dass ein Arbeiten mit dem Buch außerhalb Bayerns weitestgehend möglich ist. Allerdings ergibt sich (gerade im Polizeirecht) auch landesrechtbedingt u.U. ein ungewohnter Aufbau (Standard: Ermächtigungsgrundlage - formelle Rechtmäßigkeit - materielle Rechtmäßigkeit), der aber erläutert wird und sich dann doch nicht maßgeblich von dem Gewohnten unterscheidet.

Die Fälle sind allesamt auf Examensniveau und daher umfangreich als auch anspruchsvoll. Die Lösungen lassen aber auch keine Wünsche offen und liefern oft zusätzlich wertvolle Hinweise zur Vertiefung. Leseempfehlungen aus Literatur und Rechtsprechungen runden die Falllösungen am Ende ab.

Das Layout ist übersichtlich, ein Vorteil des großen Formates. Nachteil dessen ist die Handlichkeit, wobei sich dies verschmerzen lässt, weil man in der Regel ja eine Leseunterlage hat, wenn man mit dem Buch arbeitet.
Mit Fettdruck im Fließtext wird sparsam gearbeitet. Die didaktischen Hinweise finden sich in Kästen im Fall integriert und grenzen sich optisch damit vom Fließtext dezent ab.

Fazit: Ein Tipp nicht nur für bayerische Examenskandidaten, die sich anhand komplexer Fälle das Wissen zum Staatsexamen im Bau- und Polizeirecht aneignen wollen.

24 Januar 2010

Google in der Kritik

Wie schon mit einem anderen thematischen Einschlag in diesem Blog behandelt, tobt der Streit über Urheberrechte und Medieninhalte und wer was von wem woraus verlangen darf im Internet fleißig weiter.

In diesem Artikel möchte ich den jüngst aktuell gewordenen Streit von Verlegern und Google aufgreifen. Anlass diesmal ist ein Interview des Künstlers, Musikers und Technologieforschers Jaron Lanier in der Süddeutschen Zeitung, der sich kritisch in seinem neuesten Werk "Digital Maoism" über die Internetkultur und Google auslässt.

Dem möchte ich einmal einen Blick aus der Technik und der Rechtswissenschaft entgegenhalten. Technik fasziniert mich bereits seit dem Nintendo Entertainment System und führe seitdem ein aktives digitales Zweitleben in der virtuellen Welt. Mit dem interviewten Autoren würde ich mich daher trefflich streiten, da dessen Prämissen und Ansichten angreifbar sind. Generell gehe ich auch von der Annehme aus, dass das Onlineangebot im Medienbereich ein Nischenprogramm bleibt und die etablierten Medien nicht verdrängen wird, sondern ergänzt. Das Medium selbst muss aber nicht unbedingt die altbekannte Papierzeitung bleiben, sondern wird sich mit der Zeit wandeln.

Speziell zum Medienbereich möchte ich den Leser gerne noch an ein paar Gedanken teilhaben lassen. Lanier führt in der SZ u.a. aus:

"Statt nur Anzeigen zu verkaufen, muss [Google] anfangen, Geld zu verlangen für die Inhalte, die es anbietet, und dieses Geld an die Autoren auszuzahlen. Sonst ist die Zivilisation, die es im Internet verfügbar machen will, irgendwann tot."

Hier wird vom interviewten Autor das klassische Geschäftsmodell im Medienbereich hochgehalten. Die Logik, warum Google verpflichtet werden soll Geld für Inhalte von Dritten zu verlangen, die Google gar nicht im verwertungsrechtlichen Sinne gehören, erschließt sich mir nicht ganz. Im Übrigen wäre Google urheberrechtlich dazu gar nicht befugt.

Sollte der Autor gemeint haben Google solle Geld für das Anzeigen der Suchergebnisse verlangen (ein wahrlich törichter Gedanke!), negiert er, dass das Internet eben keine geschlossene Veranstaltung ist, sondern ein offenes Medium (= jeder kann nach belieben Inhalte ins Internet stellen) und Google gerade durch diese Offenheit, bzw. in der Organisation derselben, sein Geld verdient. Und zwar an den neben den Suchergebnissen stehenden Werbeanzeigen und nicht (direkt) am Inhalt der Suchergebnisse. Auch können die Verlage technisch sicher stellen, dass Google ihr Angebot nicht als Treffer anzeigt, wenn sie verhindern wollen, dass ihre Inhalte von Google gefunden werden sollen. Freilich würden die Verlage damit aber sehr viel weniger Nutzer über Suchmaschinen auf ihre Seite locken, was deren eigenen Werbeeinnahmen schmälern dürfte.

Denn Inhalteanbieter verdienen nämlich heute anteilig ebenfalls viel Geld mit der Onlinewerbung, die sich in der Höhe nach der Zahl der Seitenzugriffe, der Zielgruppe und den Klicks auf die Werbebanner maßgeblich bemisst. In diesem Blog habe ich beispielsweise eine vergleichsweise niedrige Seitenzugriffszahl. Dafür verdiene ich pro Klick auf einen Werbebanner vergleichsweise viel, weil bei mir spezialisierte Werbung genau auf meinen dafür zugeschnittenen Leserkreis erscheint und die Werbetreibenden bereit sind für Sie, meine verehrten Leser, mehr Geld auszugeben. Ein Texterkennungsalgorithmus, der meine Texte nach entsprechenden Schlüsselwörtern und Verbindungen analysiert, sorgt dafür, dass eben die Werbung im inhaltlichen Kontext der Artikel steht.

In der Wirtschaft ist es beispielsweise bei Spielekonsolen üblich, dass nicht primär über den Verkauf der Primärware Geld verdient wird, sondern über Sekundärprodukte. Bei Spielekonsolen verlieren die Hersteller Geld mit dem Verkauf der Konsole und verdienen am Verkauf der Spiele dafür kräftig mit. Die Softwareentwickler profitieren dagegen von der großen bzw. größeren Verbreitung der Konsole. Letztlich gewinnen beide Seiten, Hersteller und Softwareproduzenten, Geld damit.

Im Onlinemedienbereich ist es im Prinzip ähnlich, so dass Leser, Inhalteanbieter und Suchmaschinenbetreiber profitieren. Zum einen wird der Inhalt dem Leser durch die Verlage kostenlos zur Verfügung gestellt, die dadurch möglichst viele Leser auf die Webseite locken, um an den höheren Werbeeinnahmen zu verdienen. Die Suchmaschinen lenken dabei die Anfragen der Nutzer auf die entsprechende Webseite mit den gesuchten Informationen. Ihnen wird von den Verlagen in der Regel gestattet deren Inhalte in ihre Suchergebnisliste aufzunehmen. Wie oben bereits geschildert, verdienen die Verlage an dem erhöhten Besucheraufkommen an den Werbeeinnahmen und profitieren vom Auffinden durch die Suchmaschine damit zusätzlich. Google profitiert ebenfalls von der kontextsensitiven Werbung neben der Trefferliste auf seiner Seite.

Der speziellere News-Suchdienst von Google zeigt keine Werbung in Deutschland an, weshalb hier der Vorwurf von "Kommunismus" und "Inhalteklau" an den Inhalten der Nachrichtenredaktionen fehl geht. Dieser Fakt wird trotzdem gerne von Inhalteanbietern und Kritikern übersehen.

Die jetzt von den Verlagen erhobene Forderung auch an den Werbeeinnahmen von Google zu partizipieren, ist im Grunde genommen vermessen. Das wäre in etwas so, als wenn ich von der Post eine Beteiligung an ihren Werbeeinnahmen fordern würde, weil sie mit einem Werbe-Stempel zusätzlich auf meinen Briefen, die ich über sie transportieren lasse, Geld verdient. Und zwar mit dem Argument die Post würde sich durch das Versenden und Bedrucken mit Werbung meiner Briefe zusätzlich an meinem Briefinhalt "zu Unrecht" bereichern, von dem ich nun auch etwas abhaben will.

Insofern sehe ich den "Schwarzen Peter" eher auf Seiten der Verlage, die geldgierig an den Früchten anderer teilhaben möchten und nicht bei Google, denen das aber kurioserweise von Verlegerseite vorgeworfen wird. Was für eine bittersüße Ironie?!

22 Januar 2010

Tipps zum Jurastudium #9

Kurz vorgestellt:


Schroeder, Grundkurs Europarecht, 1. Aufl. 2009, 26,50 €

Durch das Inkrafttreten des Vertrages von Lissabon zum 1.12.2009 ergaben sich eine Reihe prüfungsrelevanter Änderungen, die ich mir anhand aktueller Lektüre erschließen möchte.

Ins Auge stach mir dabei die Neuerscheinung von Werner Schroeder aus der bekannten "Grundkurs-Reihe" des Beck-Verlages, in der u.a. auch der "Grundkurs BGB" von Musielak und der "Grundkurs Arbeitsrecht" von Abbo Junker erscheinen. Ein Exemplar vom "Grundkurs Europarecht" wurde mir vom Verlag zur Rezension dankenswerterweise zur Verfügung gestellt.

Beim Verlag heißt es in der Vorstellung des Werkes dann auch:

Der Grundkurs Europarecht befindet sich auf dem Stand September 2009 und berücksichtigt umfassend u.a. den Vertrag von Lissabon.

Daraus schloss ich (leider fälschlicherweise), dass sich diese Neuerscheinung dem neu geltenden EU-Recht von der Pike auf verschrieben hätte. Der Fettdruck "Stand September 2009" hätte mich allerdings skeptisch machen sollen, wobei der letzte Halbsatz mich eher in meiner irrigen Annahme bestärkte.

Zur Zeit der Manuskriptabgabe im Sommer 2009, muss ich zur Ehrenrettung des Autors beipflichten, wäre es sehr mutig gewesen das Werk maßgeblich an die neue Rechtslage anzupassen, dessen Inkrafttreten zu dem Zeitpunkt ex-ante noch als ungewiss gelten musste.

Ein Quartal mehr Zeit und eine grundlegende Anpassung an den Vertrag von Lissabon hätten dem Werk indessen gut getan. Der Autor hatte nun damit aber das Pech von den raschen Entwicklungen überholt worden zu sein. Denn im Oktober stimmten die Iren in einem Referendum dem Vertrag zu, womit praktisch die größte Hürde auf dem Weg des Inkrafttretens genommen wurde und nun seit dem 1.12.2009 der Lissabon-Vertrag in Kraft ist.

Somit gab es bei Lektüre des Vorwortes den ersten großen Dämpfer. Denn auch wenn sich tatsächlich quantitativ viele Hinweise zu den neuen Regelungen des Vertrages von Lissabon an entsprechender Stelle in Form von kurzen Schilderungen finden lassen, erfolgt die maßgebliche Darstellung des Stoffes auf der Grundlage des im Juli 2009 geltenden EU-Rechts. Das Buch basiert damit auf dem 2003 in Kraft getretenen Vertrag von Nizza sowie den Beitrittsverträgen von 2003 und 2005.

Weite Teile über den Aufbau und die Organisation der EU, aber auch Detailfragen anderer Bereiche, die durch den Vertrag von Lissabon verändert wurden, entsprechen damit nicht mehr dem aktuellen Stand. Die nun geltenden geänderten Bestimmungen werden zwar jeweils knapp an entsprechender Stelle erläutert und andere Bereiche des Buches sind generell weniger vom Vertrag von Lissabon betroffen. Doch da ein Großteil der Erläuterung im ersten großen Kapitel des Buches der alten Rechtslage eingeräumt wird, gestaltet es das Lesen und Verstehen schwieriger und kann daher nur als unglücklich bezeichnet werden.

Schade! Denn der Rest des Buches hinterlässt einen weitgehend erfreulichen Eindruck. Sowohl in Beziehung zum EU-Recht und dem Einzelnen (Bürger als Subjekte des EU-Rechts; Grundfreiheiten und -rechte; Diskriminierungsverbote und Unionsbürgerrechte) als auch zum Wirtschaftsrecht der EU finden sich die grundlegenden Informationen ordentlich dargestellt wieder. Ebenso kommt das Verhältnis zum innerstaatlichen Recht und zum Europarat (EMRK) nicht zu kurz. Auch die einzelnen Politikbereiche werden vorgestellt.

Im Europarecht sind auch die Entscheidungen des EuGH besonders wichtig, da er in ihnen das Unionsrecht nicht nur maßgeblich geprägt, sondern auch fortentwickelt hat. Der Autor arbeitet die maßgebliche Judikatur übersichtlich abgesetzt vom Haupttext an jeweiliger Stelle ein. Er schildert - falls nötig - kurz zuvor ebenso den Sachverhalt, so dass der Leser ein Rechtsproblem an der konkreten Entscheidung des EuGH nachvollziehen kann.

Leider fehlt eine tabellarische Normenübersicht, in der die alten EGV-Normen mit neuer AEUV- bzw. EUV-Bezeichnung gegenübergestellt werden. Denn auch wenn viele Normen des EG-Vertrages in den AEUV übernommen wurden, haben sie zwischenzeitlich eine neue Nummer bekommen, an die man sich nun gewöhnen muss. Andere bekannte Normen (ex-Art. 10 EGV) sind nunmehr ganz weggefallen. Das beeinträchtigt das Arbeiten mit dem unproblematischen Teilen des Buches leider ebenso negativ, weil man ständig im Kopf umdenken muss.

Fazit: Die derzeitige Auflage kann leider nur als misslungener Start bezeichnet werden. Der Stoffzuschnitt und die sprachliche wie optische Präsentation sind für ein Lehrbuch an sich in Ordnung. Das Werk wäre daher für einen ersten Einstieg in das (aktuelle) Europarecht prinzipiell in Frage gekommen, doch sind die kleineren Verweise auf die Änderungen durch den Vertrag von Lissabon keineswegs ein Ersatz für eine didaktischen Zwecken genügende Darstellung der derzeitigen Rechtslage. Da in den weiter nutzbaren anderen Bereichen des Buches leider die alten Normen zitiert wurden und eine tabellarische Normengegenüberstellung fehlt, ist das Werk sowohl für Neueinsteiger als auch für Fortgeschrittene nicht zu empfehlen.

03 Januar 2010

Tipps zum Jurastudium #8

Kurz vorgestellt:


Martina Peucker, Staatsorganisationsrecht, Heidelberg 2009, 16,95 €

Aus der Reihe JURIQ-Erfolgstraining des C.F.-Müller-Verlags möchte ich heute das oben genannte Staatsorganisationsrecht-Skript vorstellen.

Skripte zum Staatsorganisationsrecht gibt es viele. Besonderheiten dieses Werkes sind

a) ein nach didaktischen Gesichtspunkten ausgewähltes Farblayout und Symbolik;
b) Grafiken / Illustrationen, die das Schriftbild auflockern;
c) Zugangscode für einen Online-Multiple-Choice-Trainer;
d) Lerncoaching-Tipps;
e) integrierte Übungsfälle samt Lösungen im Gutachtenstil.

Gerade die gelungene grafische Präsentation hat mir gefallen: Ein gutes Schriftbild; grafische Hervorhebungen von Prüfungsschemata, Klausurtipps in Extra-Kästen und Randbemerkungen mit weiterführenden Informationen sowie ein Problem-Symbol am Rand für problemträchtige Inhalte. Damit wird das Lernen schon einmal erheblich leichter gemacht!

Auch inhaltlich gibt es an dem JURIQ-Skript wenig zu beanstanden. Allenfalls etwas mehr Kontext wäre an mancher Stelle gut gewesen. Hier muss man dann ggfs. in geeigneten umfangreicheren Lehrbüchern nachschlagen. Wie bei C.F.-Müller üblich findet sich oft nur ein direkter Verweis auf das Werk des eigenen Verlages. Die wichtigsten Probleme werden in dem Skript aber ausführlich angesprochen und in den Übungsfällen vertieft dargestellt. Somit ist regelmäßig der Bezug zur Fallpraxis gegeben. Allerdings fehlen Ausführungen zur Finanzordnung völlig.

Auch haben sich ein paar Schreibfehler eingeschlichen, die sich leicht bei einer intensiveren Korrektur hätten vermeiden lassen. Die Fehler sind aber nicht allzu häufig und fallen daher nicht groß ins Gewicht. Einziger Wermutstropfen ist der Preis: 16,95 € sind für ein Skript zwar üblich, doch wird halt nur ein Rechtsgebiet abgedeckt. Andere müssen dazu gekauft werden und dann geht es richtig ins Geld.

Fazit: Das JURIQ-Skript bietet eine gute Alternative zu Alpman Schmidt, Hemmer & Co!


Steffen Detterbeck, Öffentliches Rech - Basislehrbuch, 7. Aufl., München 2009, 32 €

Laut Vorwort ist Ziel dieses ca. 640 Seiten dicken "Basislehrbuches" dem Leser in klarer und verständlicher Sprache die Grundstrukturen des Verfassungs-, Verfassungsprozessrechts, des allgemeinen Verwaltungs- und Verwaltungsprozessrechts, sowie des Staatshaftungsrechts und des Europarechts zu vermitteln.

Als wäre das nicht schon vom Umfang her ausreichend genug, gibt es daneben noch 8 Übungsfälle samt Musterlösungen, die losgelöst vom Rest des Buches exemplarisch dem Leser die juristische Falllösungspraxis zeigen sollen. Anders als im oben vorgestellten JURIQ-Skript dienen hier die Fälle aber nicht der Stoffvermittlung.

In erster Linie wendet sich das Werk an juristische Anfänger und Nebenfachstudenten, es soll aber auch Fortgeschrittenen eine rasche und konzentrierte Wiederholung bieten.

Es ist allerdings schwer den Charakter des Werkes genau zu bestimmen. Ursprünglich war das Werk einmal für Wirtschaftswissenschaftsstudenten gedacht. Es finden sich auch in der aktuellen Auflage immer wieder Ausführungen für diese spezielle Zielgruppe, die nunmehr auch ebenso gut ohne Bedeutungsverlust entfallen könnten.

Am ehesten wirkt das Werk auf mich wie eine ausführliche Skriptsammlung, dass die Kernpunkte der jeweiligen Rechtsgebiete herausarbeitet und auch die gängigen (Standard-)Probleme anspricht. Anders als das oben genannte Skriptum ist es jedoch zum einen von den Stoffgebieten her viel umfangreicher, allerdings ist es auch etwas "abstrakter" bzw. "professoraler" geschrieben (wenn auch Detterbeck sich um eine einfache Sprache bemüht und im Vergleich zu vielen "großen Lehrbüchern" immer noch eingängiger ist). Als Beispiel sei hier auf das Themengebiet der Untersuchungsausschüsse hingewiesen, die zwar im Detterbeck kurz und knapp angesprochen werden (Rn. 190 ff.), die aber deutlich besser prüfungsbezogen im JURIQ-Skript dargestellt werden (Rn. 137 ff.). Auch die Übungsfälle wirken im Vergleich zum JURIQ-Werk etwas unbeholfen angehängt, auch wenn sich Querverweise an entsprechender Stelle des Buches finden.

Das Preis-Leistungs-Verhältnis spricht aber für den Detterbeck. Denn man bekommt für 32 € hier gleich 5 Skripte in einem Werk. Nicht einmal zwei JURIQ-Skripte kriegt man für das gleiche Geld! Insofern könnte man sich den Detterbeck kaufen und das gesparte Geld anderweitig investieren.

An diesen beiden vorgestellten Büchern zeigt sich gut das Preis-Leistungs-Problem, welches auch auf andere Skriptenreihen übertragen werden kann. Denn auch wenn diese zunächst im Vergleich zu vollwertigen Lehrbüchern günstig erscheinen, sind sie bei genauerer Betrachtung ganz schön teuer. Dafür erhält man aber zumindest im oben vorgestellten JURIQ-Skript ein besseres didaktisches Konzept.
Ob dieser Vorteil das Geld aber letztlich wert ist, muss wohl jeder für sich entscheiden.

Fazit: Mit dem Detterbeck erhält man ein solides Grundlagenwerk, das dem Anfänger - trotz der angesprochenen didaktischen Schwächen - einen guten Start ins Öffentliche Recht bietet. Mit dem Inkrafttreten des Vertrages von Lissabon ist der derzeitige Europarechtsteil leider nicht mehr aktuell. Eine Neuauflage wird aber sicherlich bald Abhilfe schaffen. Man erhält mit ihm eine preisgünstige Essenz vom Kernwissen des Öffentlichen Rechts.