22 November 2008

Hefendehl-Skandal: Jacke bleibt fortan der Vorlesung fern

Neuigkeiten im Fall Hefendehl. Wie die Kollegen von Fudder.de berichteten, bleiben disziplinarrechtliche Konsequenzen durch das Tragen einer DDR-Sportjacke in einer Strafrechtsvorlesung Herrn Prof. Hefendehl erspart.


Eine Sprecherin des Rektorats betonte jedoch, dass weiterhin davon ausgegangen werde, dass das Tragen jener Jacke künftig unterbleibt.

Interessant zu sehen, dass Blogger und Kommentatoren links der Mitte gerne diese Angelegenheit auf eine Publicity-Kritik des RCDS beschränken und darüber hinaus u.a. Eingriffe in die Meinungs- und Lehrfreiheit Hefendehls festgestellt werden und dessen Lehrmethodik gelobt wird. 

Was die Menschen dazu brachte seine Lehrmethodik in jenem Kontext zu loben, ist mir total schleierhaft! Einen Bezug auf die konkreten Lehrinhalte vermochten jene Kommentare freilich nicht herzustellen. Kein Wunder: Mit keinem Wort kam in der Vorlesung das DDR-Unrecht zur Sprache. Konkrete Bezüge zur Jacke fehlten somit gänzlich. Aber wie auch immer die Realität sei: Ein dreifaches "Hurra!" auf die Lehrmethodik!

Was mich verwundert ist, dass der historische Kontexte kaum problematisiert wurde. Auch beschränkte sich die Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit und dem Unrechtsstaat zuweilen auf Trivialitäten, wie bspw. den korrekten Insignien des DDR-Wappens.

Für das Einschreiten der staatlichen Sicherheitsorgane gibt es in der BRD klare Rechtsgrundlagen. Wenn diese sich nicht ans Recht halten, steht auch der Weg vor die Verwaltungsgerichte für die Betroffenen offen. 

Ich brauche nicht zu erwähnen, dass es eine voll entwickelte Verwaltungsgerichtsbarkeit in der DDR nicht gab. Ganz am Anfang und am Ende ihrer Existenz wurden kleinere Zugeständnisse gemacht. Letztlich ist das aber überhaupt nicht vergleichbar mit den Möglichkeiten, die jedem Deutschen heute offen stehen. Schon allein deshalb ist es ungehörig, dass Prof. Hefendehl hier ein Auferstehen der DDR erkennen möchte. Indem er mit einer Vergangenheit kokettierte, die um einiges schlimmer war, als was er nun mit ihr symbolhaft anzuprangern versuchte, empfand ich dies auch als verletzend. Ich kenne eben Leute in meinem familiären Umfeld, die aufgrund eines gestellten Ausreiseantrages als Staatsfeinde galten. Wie mit diesen Menschen in der DDR umgegangen wurde, kann man durch den Film "Das Leben der Anderen" ja deutlich erahnen. 

Die Forderung an Prof. Hefendehl besteht lediglich darin fortan ein wenig mehr historisches Feingefühl bei der Wahl seiner Kleidung an den Tag zu legen. Darin vermag ich keinen Eingriff in den Schutzbereich seiner Grundrechte zu erkennen. Zumal sich die Empfehlung allein auf seine Lehrveranstaltungen beschränkt. Rektor Schiewer scheint die Brisanz der misslungenen historischen Anspielung ähnlich zu sehen, ansonsten hätte er nicht mehrfach öffentlich deutlich gemacht, dass fortan das Tragen jener Jacke unterbleiben soll.
Hierin eine Kleiderordnung oder ein Trageverbot zu erblicken geht in meinen Augen allerdings zu weit. Ein Professor sollte jedoch wissen, was sich gehört und Handlungen unterlassen, die das Anstandsgefühl anderer über Gebühr strapaziert. Provokation hin oder her.

07 November 2008

Hefendehl-Skandal

Um eins gleich vorweg zu nehmen: Ich war nicht in der Vorlesung dabei! Nach Kenntnisnahme der Pressemitteilung des RCDS und der Gegendarstellung von Prof. Hefendehl, meine ich aber doch mir ein eigenes Bild darüber machen zu können.

Ich bin ein Kind der DDR, bin in Mecklenburg geboren und aufgewachsen. Mein Vater bekam während des Studiums auch drei Stasi-Agenten auf sich angesetzt. Weiß also, dass mit diesem Regime nicht zu spaßen war. Potenziell jeder konnte in das Schussfeld der staatlichen Überwachung gelangen. Man musste daher ständig nach außen den Unauffälligen mimen. Insofern haben die vielen Komödien über die DDR vielleicht doch ein vollkommen falsches Bild vermittelt. Von der Atmosphäre her kommt "Das Leben der Anderen" dagegen viel deutlicher heran.

Wenn sich also nun ein Freiburger Strafrechtsprofessor hinstellt, um gesetzgeberische Entscheidungen der letzten Jahre damit anzugreifen, indem er in seiner Vorlesung provozierend mit einer DDR-Jacke samt Hammer, Zirkel und Ehrenkranz erscheint, halte ich das zumindest für äußerst fragwürdig. Wenn er das privat tragen würde, wäre das alles kein Thema. Aber in seiner Funktion als Lehrstuhlinhaber bekommt es dann doch einen fadigen Beigeschmack. Die BRD ist mit ihrer liberalen Grundordnung gar nicht mit der DDR vergleichbar. Rechtsstaatliche Mittel gegenüber hoheitliche Handlungen existierten in der DDR praktisch nie. Im heutigen Deutschland wäre es undenkbar, nicht auch hoheitliche Akte vor den Gerichten anfechten zu können. Wir sind also trotz der verschärften Gesetzgebung im vereinten Deutschland noch meilenweit davon entfernt zu einem neuen Stasi-Staat zu werden.

Gerade ein Rechtsprofessor sollte diese Zusammenhänge eigentlich verstehen. Indessen verwundert es mich nicht, dass er damit Gefühle verletzt hat. Den Unrechtsstaat für seine eigenen Ziele zu instrumentalisieren, verhöhnt letztlich die, die unter dem System gelitten haben. Statt zu provozieren hätte Prof. Hefendehl auch taktvollere Mittel einsetzen können, um aufzuzeigen worum es ihn ging. So aber muss er mit der Kritik leben, die er hervorgerufen hat und darf sich über den lauten Einspruch auch nicht beklagen. Seiner ersten Reaktion war dann auch eine erste halbherzige Entschuldigung für aufkommende Missverständnisse zu entnehmen. Echtes Verständnis hört sich jedoch anders an. Von einem, der sich mit den Feinheiten der juristischen Sprache täglich beschäftigt, dürfte man ein wenig mehr Feingefühl erwarten.


Update: Der Spiegel berichtet heute ebenfalls über das Thema. Auch die Badische Zeitung hatte gestern bereits einen Artikel veröffentlicht.

05 November 2008

Obama wird US-Präsident

Viel wird noch geschrieben werden über den Tag, an dem Präsident Obama gewählt wurde. Acht Jahre republikanische Führung im Weißen Haus gehen zu Ende. Bewegte Zeiten - nicht nur für die Amerikaner. Meine Hochachtung an dieser Stelle für die ausgezeichnet geplante und durchgeführte Wahlkampagne des neuen Chefs im Weißen Haus. Auch an schwierigen Tagen während der letzten zwei Jahre verlor Obama nicht seinen Verstand, neigte nicht zu Überreaktionen oder hypernervösem Aktionismus, sondern arbeitete ganz pragmatisch und solide daran erster afro-amerikanischer Präsident der USA zu werden.

Auch wenn es zu Enttäuschungen und Fehlern in seiner Präsidentschaft früher oder später kommen wird, habe ich bei ihm das Vertrauen gewonnen, dass er die innere Größe besitzt auch seine Standpunkte zu revidieren, wenn nötig, um an die bestmögliche Lösung der Probleme vor die Amerika und die Welt steht, heran zu gehen.

Zugegeben, anfangs war ich eher skeptisch gegenüber jenem Mann aus Illinois eingestellt, von dem seine Bewunderer behaupteten, er wäre der neue Kennedy. Eloquent, gebildet, aber ebenso zuhörend, charmant und mitfühlend. Seine recht kurze Zeit, die er erst dem US-Senat angehörte, verstärkte meine Zweifel, ob viel Substanz hinter den wohlklingenden Worten und dem schönen Glanz der Fassade lag.

Doch Obama hat es geschafft mich gegen Ende des Vorwahlkampfes zu überzeugen. Er war der richtige Kandidat der Demokraten in dieser Wahl. Schmutz, der über ihn ausgekippt wurde, perlte von ihm ab wie Öl von Teflon. Jung, frisch und dynamisch aber ebenso präsidial - das sind die entscheidenden Eigenschaften, die elektrisierend auf die Wähler wirkten. Hillary Clinton hätte womöglich einen schwereren Stand gehabt, sich gegen die Republikaner zu behaupten.

Doch schauen wir noch einmal kurz auf die zurück liegenden Jahre. Ein mir sehr wichtiger Mensch diskutierte mit mir Ende des Jahres 2000 über den damals immer noch in der Schwebe stehenden Wahlausgang. Das Urteil des US Supreme Courts stand kurz bevor. Es ging um nichts geringeres als die Frage: Bush oder Gore, wird sich wirklich etwas ändern? Ist es tatsächlich entscheidend wer von beiden das Weiße Haus regiert?

Rückblickend betrachtet eine törichte Frage. Doch damals hatte man von al-Quaida und Osama bin Laden kaum etwas gehört und hätte es niemals gedacht, dass eine amerikanische Administration im Zuge dessen sämtliche rechtsstaatlichen Prinzipien über Bord werfen würde, die den Gründungsvätern hoch und heilig waren. Nicht nur hat das Ansehen des Präsidenten und seines Landes tief in meinen Augen darunter gelitten - eines Landes welches wegen seiner Liebe zur Freiheit und Offenheit einst bewundert wurde, sondern auch der Glaube an das durchdachte Urteilsvermögen der handelnden Exekutive.
Soviel Verachtung, Engstirnigkeit und Trotz wie in den letzten acht Jahren sah die Welt von Amerika im letzten Jahrhundert selten. Ausgezeichnete Insider-Berichte aus der Bush-Administration sind mittlerweile erschienen und weitere werden folgen, Bob Woodwards Bücher und Richard Clarkes "Against all Enemies" seien hier beispielhaft erwähnt und zur Ehrenrettung sei ebenso angemerkt, dass sich auch innerhalb der Regierung heftiger Widerstand über die umstrittenen Programme regte.

Hätte ich dieses Wissen doch schon im Jahr 2000 gehabt! Bei der Diskussion wäre mein Gesprächspartner sogleich der Ansicht gefolgt, dass es zumindest auf kurze und mittelfristige Sicht äußerst wichtig ist, wer an der Spitze steht und welches Denken er und sein Team mitbringt. Mögen sich auch große Kontinuitätslinien auf lange Sicht nicht verändern, haben wir gerade den besten Beweis hinter uns, wie man in einer doch recht überschaubaren Zeit durch unvorhersehbare Ereignisse ziemlich viel Porzellan zerschlagen kann. Doch soll an dieser Stelle keine politische Abrechnung mit der Ära Busch stattfinden, obwohl der Kontext auch als Prelude zu einer Obama-Präsidentschaft nicht einfach ausgeblendet werden darf.

Nach fünf Stunden Schlaf in der Nacht war die Begeisterung über die Wahlergebnisse heute morgen dann entsprechen hoch, die dem Harvard Law School-Absolventen Obama einen bequemen Sieg bescheinigten. Die Bürger strebten nach einer Veränderung des politischen Klimas und es gibt viel zu reparieren. Ich wünsche dem zukünftigen Präsidenten dafür viel Erfolg und die nötige Prise Glück!

28 Oktober 2008

Endorsement

Verehrte Leser,

gut amüsiert wurde sich auch in diesem Blog über die US-Präsidentschaftskandidaten.

Doch jetzt ist der Zeitpunkt der ernsten Töne gekommen. Eine Woche vor der historischen Wahl, ist die Zeit reif für eine Wahlempfehlung an meine verehrten amerikanischen Leser.

Niemand geringeren als Tom Hanks konnte ich dafür gewinnen ein paar passende Worte an Sie zu richten. Seiner Empfehlung kann ich mich nur anschließen. Doch hören Sie selbst, was er Ihnen nun zu sagen hat:
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Honorable Reader,

even in this blog you have gotten a good laugh about both candidates for president lately.

But now the time has come for a more serious tone. One week away from the historic election, it is time for an endorsement, my dear american readers.

I am proud that I could arrenge that Tom Hanks, a real american hero would be glad to address a few words to you! I just can follow-up his endorsement. But hear for yourselves what he has to say now:

07 September 2008

Der Weg zum Weißen Haus #2

Nachdem ein Portrait des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama seinen Weg ins Blog gefunden hat, darf auch ein Portrait seines republikanischen Kontrahenten John McCain nicht fehlen.

04 September 2008

Republican National Convention

Alle haben die jubelnden Delegierten vom Nominierungsparteitag der Demokraten noch vor Augen. Wie sieht es denn bei dem derzeit stattfindenden republikanischen Gegenstück aus?

30 August 2008

Der Weg zum Weißen Haus

Hier mal eine recht amüsantes Portrait des nun offiziellen demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama:

29 Juli 2008

Alkoholsperrbezirk verlängert

Wieder einmal ist Alkohol ein Thema in der Stadt. Bis zum Sommer 2009 hat am 22. Juli 2008 der Freiburger Gemeinderat den Alkoholsperrbezirk verlängert. Offenes Mitführen von Alkohol als auch dessen Konsum ist im "Bermudadreieck" zwischen Martinstor, Werderring und Bertoldsbrunnen somit weiterhin nicht gestattet. Grund für die dem Verbot zugrunde liegende Polizeiverordnung war die z.T: erheblich gestiegene Zahl der Gewaltdelikte in jenem Bereich.

Hat der Sperrbezirk denn etwas an der Situation zum Positiven verändert? Um die Antwort vorweg zu nehmen: So ganz genau lässt sich das noch nicht beantworten, die Datenlage spricht eine undeutliche Sprache.

Die Zahl der Gewalttaten ist in den erstem fünf Monaten des Jahres 2008 von 82 im Jahr 2007 auf nunmehr 69 gesunken, was ein Rückgang um 16 Prozent bedeutet. Doch ist das Ergebnis mit Vorsicht zu lesen, wie Prof. Dr. Roland Hefendehl, Leiter des Instituts für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht an der Universität Freiburg, der Wochenzeitung "Der Sonntag" (13. Juli 2008) verdeutlichte.

In den ersten fünf Monaten 2008 seien nur 6 Gewalttaten an den angeblich so belasteten Freitagen aufgetreten, und davon nur zwei am Abend. "Man zählt im Zeitraum von Freitag- und Samstagnacht, auf den das Alkoholverbot abzielt, sogar eine Steigerung der Delikte." Eine eindeutige Tendenz sähe anders aus, so Hefendehl.

Zuvor hatteder Arbeitskreis Suchthilfe und die Universität das Ergebnis einer Umfrage veröffentlicht, in der 300 Jugendliche im Alter von 15 bis 25 über ihre Trinkgewohnheiten befragt wurden. Das Ergebnis überraschte dann auch kaum, dass der Alkoholkonsum eine große Rolle spielen würde. 93 Prozent der Befragten würde regelmäßig Alkohol trinken, davon die Hälfte bereits bevor sie zu ihrer Freizeitgestaltung am Abend in die Innenstadt kämen. Ein Drittel der Jugendlichen habe angegeben, dass sie im zurückligenden Jahr an einer Schlägerei beteiligt waren. 90 Prozent von jenem Drittel standen unter Alkoholeinfluss. Den Initiatoren der Studie sei deshalb klar ersichtlich, dass es einen Zusammenhang zwischen Trinken und Gewalt gäbe.

Einspruch! Hefendehl bestreitet jenes Ergebnis, dessen Kritik ich mich nur anschließen kann: "Ablesen kann man daraus nur, dass offensichtlich bedenklich viel Alkohol konsumiert wird, der ursächliche Zusammenhang zwischen Alkohol und Gewalt ergibt sich hieraus aber nicht, da viele Menschen im Bermudadreieck abends alkoholisiert zu sein scheinen, egal welcher Aktivität sie nachgehen."

Die Aussage ein Zusammenhang zwischen Alkohol und Gewalt sei eindeutig, ist nach Hefendehl "schlicht falsch und unredlich". Auch werde die Bedeutung des Alkoholverbotes für die Innenstadt nicht klar, wenn bereits mehr als die Hälfte der Jugendlichen bereits bevor sie in die Stadt gehen "vorglühen" (d.h. bereits Alkohol konsumiert haben). Wieso braucht es dann ausgerechnet in der Innenstadt ein Alkoholverbot?

Zudem würden die hier als unangenehm geschilderten Zahlen zu Heiterkeitsanfällen in anderen Großstädten führen. "Wir leben in Freiburg auf einem privilegierten Niveau, was auch mit dem aufgeschlossenen Ruf Freiburgs zu tun hat. Deswegen ist es besonders schade, dass man jetzt meint, hier so aggressiv eingreifen zu müssen.", lautet das Fazit Hefendehls.

Wie der Beitrag mit den Videos der Anti-Alkohol-Kampagne Großbritanniens zeigt, möchte ich verdeutlichen, dass mir das Thema auch am Herzen liegt. Liebling der Pöbler und Alkoholjunkies bin ich mitnichten, wie jeder andere vernünftig und gerecht Denkender auch. Moderater Konsum ist okay, soweit man aber sich nicht mehr im Griff hat, sollte man es lassen. Mir geht es vor allem darum zu kritisieren mit welchen Mitteln die (Lokal-)Politik versucht sich gegen ein gesellschaftliches Phänomen der letzten Jahre zu stellen. Durch puren Aktionismus erreicht man kaum etwas in der Sache. Und jenes Alkoholverbot zeugt vom Aktionismus wie er quer durch das Parteienspektrum im Gemeinderat getragen wird.

Aber statt sich mit den komplexen Ursachen des Phänomens zu widmen, wird im Gemeinderat lieber darüber gesprochen, dass man im Selbstversuch schon öfters die Wirkung von Alkohol überpüft hätte und dazu keine wissenschaftlichen Studien bräuchte. Vielen Dank für diesen gehaltvollen Beitrag zur Diskussion!

24 Juli 2008

Alcohol Know Your Limits

Gib dem Komasaufen keine Chance!

Für die Jungs:


Für die Mädels:

15 Juli 2008

Satire Gone Wrong - The Obama Controversy

Was darf Satire? Darf sie einen Politiker zum Abschuss freigeben? Darf Sie ihm einen Turban umhängen, die US-Flagge im Kamin verbrennen lassen und seine Frau als kampfeslustige und waffengespickte Terroristin darstellen? Noch dazu, wenn es sich um den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama handelt, dem immer wieder unredliche Verbindungen zu Muslimen angedichtet werden?

Amerika ist erzürnt! Die Stimmung kocht geradezu über. Heftigst wird darum debattiert, wie man denn das strittige Cover des geachteten liberalen Magazins "The New Yorker" zu deuten habe, welches jene Karrikatur zeigt, um die der ganze politische Streit tobt.

Übertitelt war sie mit "The Politics of Fear" (dt. Die Politik der Angst) und verarbeitete die Märchen, die über Obama im rechten Politspektrum erzählt werden. Geradezu grotesk anstößig wirkt das im New Yorker entworfene Amerika-hassende Szenario. Doch scheint durch die offensiv-anstößige Art der Karrikatur die richtige Botschaft auf dem Wege zum Betrachter verloren gegangen zu sein. Statt die politischen Hardliner von rechts außen zu verlachen, die jenen Unsinn tatsächlich ernst meinen, erntet das Blatt viel Kritik von allen Seiten für die herabwürdigende Darstellung des Präsidentschaftskandidaten Obama. Die Karrikatur würde nur die Stimmung gegen Obama anheizen, indem sie die Ressentiments gegen ihn noch weiter verstärken. So der einhellige Kommentar der Kritiker.

Zu übersehen, dass gerade das Obama-freundliche Leserclientel vom New Yorker sehr empfindlich auf die Karrikatur reagieren würde, dürfte einer der Fehleinschätzungen der Redaktion gewesen sein. Ein anderer war es, auf die Kompetenz der Menschen zu vertrauen die Szenerie schon in die richtige Botschaft zu übersetzen. Das ist offensichtlich misslungen. Hier ist nicht nur die Leserschaft des New Yorker überfordert worden, einer Elite, die sich sehr mit den Werten Obamas identifiziert und politisch interessiert ist. Auch der Durchschnittsamerikaner hat die Botschaft einfach nicht verstanden.

Die Washington Post fasst es folgendermaßen zusammen: If you want satire to be "effective" (like a good editorial or a well-written position paper) you must aim at a wide audience, invite people in and wink with exaggerated meaning. In the cartoon, Obama almost looks as though he's winking. But "almost" doesn't count in socially safe satire. [...] And if the satire isn't carefully calibrated to a target audience, then it will almost assuredly be remembered for its offensiveness rather than its supposedly palliative effect on the body politic.

Ist es denn Satire?
Wenn man im juristischen Sinne urteilen müsste, würde man mit Sicherheit sagen: Ja. In den USA, in der das Recht auf freie Meinungsäußerung (Free Speech) einen sehr hohen Rang genießt, stellt sich diese Frage ebenfalls nicht ernsthaft. Niemand kann also dem New Yorker verbieten jene Karrikatur zu verbreiten.

In politischen Kategorien gedacht, darf aber die Frage erlaubt sein, wem dieser Karikaturenstreit eigentlich nützt. Und da hat der New Yorker wohl mehr Schaden für Obama angerichtet als es ihm nützt. So findet sich doch ein Fünkchen Ironie darin, dass ausgerechnet jene Elemente von der Kontroverse profitieren, die eigentlich verächtlich gemacht werden sollten.

Update:






10 Mai 2008

Killerspielmythos entzaubert! Bundestag beschließt trotzdem Verschärfung des Jugendschutzgesetzes

Mit Beschluss des Bundestages vom 08.05.2008 wird das Jugendschutzgesetz verschärft.

Heise online berichtet dazu:


Der Bundestag hat wie erwartet den umstrittenen Regierungsentwurf zur ersten Änderung des Jugendschutzgesetzes mit den Stimmen der Mehrheit der großen Koalition abgesegnet. Die Gesetzesnovelle, die am Donnerstagabend gegen die Stimmen der Opposition verabschiedet wurde, erweitert die Kriterien, nach denen Gewaltvideos und sogenannte "Killerspiele" als jugendgefährdend auf dem Index landen. Darüber hinaus müssen die Altersbeschränkungen auf CDs und DVDs vergrößert werden, damit sie beim Kauf künftig auf den ersten Blick ins Auge fallen.

[...]

Spiele werden mit "weitreichenden Abgabe-, Vertriebs- und Werbeverboten" belegt, die "besonders realistische, grausame und reißerische Gewaltdarstellungen und Tötungshandlungen beinhalten, die das mediale Geschehen selbstzweckhaft beherrschen". Bisher sind allein Gewalt oder Krieg "verherrlichende" Computerspiele für Jugendliche automatisch verboten.



Die Notwendigkeit einer Änderung des Jugendschutzgesetzes war Gegenstand heftigster Diskussionen - im Bundestag, wie auch in der Öffentlichkeit.

Als Teil der "Generation @", also jenen jungen Erwachsenen, die mit Internet, Computerspielen und Mobiltelefonen groß geworden sind, sehe ich diese Entwicklung äußerst kritisch. Auch bieten die Indizierungskriterien weiten Spielraum für Interpretationen.

An dieser Stelle ist deutlich auf den Unterschied zwischen der Freigabe nur für Erwachsene durch die Unterhaltungssoftwareselbstkontrolle (USK 18) und einer Indizierung nach dem Jugendschutzgesetz aufmerksam zu machen. Indizierte Titel sind ebenfalls nur für Erwachsene zugänglich. Allerdings dürfen sie beispielsweise nicht offen ausgestellt oder beworben werden. Sie sind nur auf ausdrückliche Nachfrage, wenn überhaupt, zu beziehen. Bei Titeln, die zwar eine USK-18-Einstufung bekommen haben, aber nicht indiziert wurden, gelten diese strengen Vertriebs- und Werbeverbote nicht. Sie dürfen lediglich nicht an Jugendliche verkauft werden, werden aber im Regal der Warenhäuser offen angeboten.

Ein bereits von der USK geprüftes Spiel durfte nach bisheriger Rechtlage nicht mehr indiziert werden. Bei einem indizierungsgefährdeten Titel verweigerte die USK die Prüfung und Kennzeichnung, sodass ein Indizierungsverfahren der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) durchgeführt werden durfte. Wenn ein Spiel indiziert wurde, landete es fortan auf dem Index, mit den bereits erwähnten Folgen.

Was bedeutet die Neuregelung für die Unterhaltungssoftwareindustrie, den Spielern, sowie dem deutschen Spielesoftwaremarkt?

Die Programmversionen für den deutschen Markt drohen durch die Hersteller deutlich entschärft zu werden, was einen erhöhten Aufwand für die Softwarehäuser bedeutet und der Spielequalität abträglich sein kann. Auch könnte der deutsche Markt an Attraktivität verlieren, wenn die Hersteller immense Umsatzverluste befürchten müssen. Ein indiziertes Spiel verkauft sich erfahrungsgemäß schlechter, als eins, das zwar nur an Erwachsene verkauft werden darf (USK-18), dafür aber deren Bewerbung und Ausstellung in den Regalen der Warenhäuser gestattet ist.

Andere Titel, die sich nicht entschärfen lassen, bleiben unter Umständen dem deutschen Markt sogar ganz vorenthalten. Somit betrifft die Verschärfung indirekt auch erwachsene Spieler, die sich über Importe aus dem Ausland Abhilfe schaffen müssen.

Doch warum verschärft man das Jugendschutzgesetz überhaupt? Hintergrund waren die Amokläufe von Erfurt (2002) und Emsdetten (2006), die eine breite Diskussion über die Gewaltdarstellung in Computerspielen auslösten.

Studien, die einen Kausalzusammenhang zwischen aggressivem Verhalten und Computerspielen annahmen, wurden jüngst von Wissenschaftlern der amerikanischen Universität Harvard in einer neuen, auf aussagekräftigeren Methoden beruhenden Studie, die mit 1,5 Mio $ vom amerikanischen Justizministerium finanziert wurde, widerlegt. Die anderen Studien seien laut der federführenden Wissenschaftlerin Cheryl Olsen aus Harvard schlichtweg Müll und oftmals von Institutionen gesteuert, die bereits ein fertiges Ergebnis im Kopf hatten, wie sie in einem Interview gegenüber Spiegel Online verlautbarte. Ein Kausalzusammenhang zwischen Aggressivität und Computerspielen kann ihrer Meinung nach nicht bewiesen werden.

Damit fällt nun aber die Prämisse der Politiker der Großen Koalition für eine Verschärfung des Jugendschutzgesetzes in sich zusammen. Mit anderen Worten: Eine Gesetzesverschärfung wird uns keinen einzigen möglichen neuen Amoklauf ersparen, da Computerspiele gar nicht jenes Aggressivverhalten beeinflussen, welches in jener schrecklichen Tat gipfelt. Das Gesetz ist für den angestrebten Zweck also schon ungeeignet.

Jugendliche reagieren zudem höchst unterschiedlich auf Computerspiele. Daneben bleiben die Titel auch illegal über das Internet beziehbar, was die Wirksamkeit des Vorhabens zusätzlich konterkariert, würde man einen solchen Kausalzusammenhang annehmen.

Olsen entzaubert den Mythos Killerspiele jedoch, indem sie Computerspielern eine höhere Sozialkompetenz attestiert: "Die Menschen sollten aufhören, sich über Kinder, die viele Games spielen, Sorgen zu machen. Im Gegenteil: Unseren Ergebnissen zufolge besitzen Kinder, die keinen Kontakt zu Videospielen haben, mehr Probleme in der Schule oder im Elternhaus. Nicht dass Games per se glücklich machen - aber da die meisten Titel gemeinsam gespielt werden, ist ein Nichtspielen heutzutage ein Zeichen von fehlender Sozialkompetenz."

Nun muss sich das nur noch zu Politikern von CDU/CSU und SPD herumsprechen, die immer noch befürchten, dass Kindern und Jugendlichen übles droht, vor dem sie bewahrt werden sollten.

Bitte beenden Sie die Diskriminierung und Bevormundung von Millionen von Spielern in Deutschland!

28 April 2008

Beck vs Titanic IV

Erinnern Sie sich noch an die Auseinandersetzung um den Problembären Bruno? Ja, stimmt! Da war doch was....

Auch in diesem Blog ist dazu im Sommer 2006 geschrieben worden. Dabei wollte ich es jedoch bei Blogeinträgen nicht belassen. Das Themengebiet Satire contra Persönlichkeitsrecht erschien mir so spannend, dass ich mich einmal detaillierter damit beschäftigen wollte. Und was lag da näher als Beck vs Titanic als konkreten Ausgangspunkt zu nehmen?

Wer mit mir jene Reise in die rechtlichen Hintergründen mitgehen möchte, sei dazu herzlich eingeladen den soeben erschienenen Artikel im Freiburger Law Students Journal anzuschauen.

Vielen Dank an dieser Stelle für die gute Betreuung an Demid Spachmüller von der Freilaw-Redaktion, sowie an Wiss. Angst. Oliver Sauer und Prof. Thomas Würtenberger für die anregenden Diskussionen.

Zum Schluss sei noch erwähnt, dass Brunos Bruder vor ein paar Tagen ebenfalls dessen Schicksal geteilt hat. Er wurde im Osten der Schweiz getötet, als er trotzig Abschreckungsmaßnahmen der Schweizer Regierung missachtete. Die Regierung hatte zuvor eine Abschusswarnung ausgeprochen, falls er es wagen würde nochmals in besiedelte Gebiete vorzudringen. Dass er keine Angst davor zeigte, wurde ihm letztlich zum Verhängnis.

12 März 2008

Gib mir mehr!

Verehrte Seylaw-Leser,

um Ihnen nicht immer nur gedruckte Worte zu präsentieren, werde ich von nun an vermehrt auch Multimediainhalte in meinem Blog einbinden. Geradezu fasziniert bin ich von der Qualität der amerikanischen "Fake-News"-Shows "The Daily Show" und "The Colbert Report" von ComedyCentral.

In Kurzform ist das politische Satire pur, ansprechend in Szene gesetzt. Nebenbei erfährt man auch viel, was gerade in der amerikanischen Politik diskutiert wird. Wo findet man sowas in vergleichbarer Qualität in der deutschen Fernsehlandschaft?

Den Anfang macht folgender Clip, der mich sehr an die Menschen im Straßenbild von Freiburg erinnerte. Ist Berkeley das amerikanische Freiburg?

13 Februar 2008

Alles exzellent?

Weht der Geist der Veränderung bereits durch die Universität? Eine erste Bilanz nach zwei Semestern Studiengebühren und einem Semester Exzellenzuniversität.

„Die Entscheidung des Bewilligungsausschusses zeigt eindeutig, dass die Universität Freiburg mit ihrer exzellenten Forschung und Lehre jetzt in der Champions League spielt“, freut sich der Rektor der Universität, Professor Dr. Wolfgang Jäger, in einer Pressemeldung zur Vergabe des Prestigetitels. Nunmehr gehört auch die Albert-Ludwigs-Universität zum Club der neun prämierten Eliteunis, nachdem es nach der ersten Runde vor anderthalb Jahren noch nicht klappte.

Entgegen den Verlautbarungen von Rektor Jäger spielt man in der Lehre zuweilen immer noch in der Bezirksliga.Wer im Studentenalltag nach jener viel beschworenen Elite sucht, muss schon mit der Lupe suchen, um echte Neuerungen zu entdecken.

An der Juristischen Fakultät die neuen Lehrassistenten beispielsweise - deren Gehälter den größten Anteil der Studiengebühren verschlingen. Vor Semesterbeginn boten sie eine Blockübung im Zivilrecht an. Dort wurden täglich zu drei Terminen über zwei Wochen hinweg komplexere Fälle im Zivilrecht bearbeitet. Ein echtes Novum! Ansonsten wurde die Fallbearbeitung in höhreren Semestern ausschließlich in der Vorgerücktenübung durchgeführt.

Erfahrungen hätten gezeigt, dass die Studenten schon recht gut im Umgang mit dem Kaufgewährleistungsrecht seien, jedoch im "Großen BGB" ein viel breiteres Spektrum an Stoff abgedeckt werden müsse. Jene Lücken hätten in der Vergangenheit immer wieder zu hohen Durchfallquoten geführt, die die Blockübung nun zumindest aufzudecken helfe.

Im Gegenzug zu den Vorgerücktenübungen war das ausgegebene Material von guter bis hervorragender Qualität. In den Vorgerücktenübungen bekommt man, wenn man Glück hat, nur eine dürftige Powerpoint-Präsentation als Lösungsskizze an die Hand. Vielfach geht man aber auch komplett leer aus. Das ist einfach inakzeptabel!

Nicht so bei der Blockübung, bei der in weiten Teilen ausformulierte Musterlösungen mit Fußnoten bereitgestellt wurden. Das würde man sich zur eigenen Korrektur auch gerne in den anderen Bereichen wünschen und ist daher von Seiten der Studenten deutlich zu begrüßen.

Auch sind einige Bücher in der juristischen Bibliothek (Seminar) neu in den Fundus aufgenommen worden, die sich allein aus den Studiengebühren finanzieren.

Doch ist noch eine Veränderung in den Köpfen nötig, um die Lehre nachhaltig zu verbessern! Schnell wird jedoch der Eindruck erweckt, als sei beim Lehrpersonal noch nichts von dem Mentalitätswechsel hin zu einem Dienstleister angekommen, dem die Belange der Studenten am Herzen liegen.

Ein Beispiel die oben genannte Schlamperei mit den Lösungsskizzen. Zum anderen ist allein der Umstand, dass die Korrekturassistenten nun Lehrassistenten heißen und von uns Studenten bezahlt werden, noch kein Garant für eine bessere Qualität der Korrekturen.

Noch immer stößt man bei Beschwerden auf eine Wand der Ignoranz und Gleichgültigkeit. Anerkannte Prüfungsgrundsätze existieren nur auf dem Papier. Die Noten werden weiterhin frei von jeder Objektivität vergeben. Fehler werden zwar eingestanden, an der Endnote wird jedoch nichts zugunsten des Studenten verändert. Man möchte meinen, dass keiner die innere Größe besitzt sich selbst oder eigene Mitarbeiter zu korrigieren. Lieber schiebt man den schwarzen Peter weiterhin dem Studenten zu. Es ist ja auch so bequem!

Als Student hat man keine andere Möglichkeit sich zu wehren als das Prozessrisiko auf sich zu nehmen und die Entscheidung vor dem Verwaltungsgericht anzugreifen. Doch wer tut das schon? So ist man weiterhin der Einsichtsfähigkeit des jeweiligen Professoren ausgeliefert. Mal mit, aber oft auch ohne Erfolg.

Solange sich im Denken und Handeln des Lehrpersonals nichts ändert wird das Wort "Exzellenzuniversität" nichts als eine lose Formhülse bleiben. Es hört sich zwar gut an, doch unter dem Strich verbessert sich für die Betroffenen nichts.