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Mehr Energieeffizienz durch Transparenz wagen!

Der folgende Essay wurde anlässlich eines Wettbewerbs zum forumWHU 2007 der Otto Beisheim School of Management, Vallendar, eingereicht und von einer Professorenjury mit dem 4. Platz prämiert.

Moderne Energiepolitik kombiniert mit intelligenter Technik könnten die Stromkosten dauerhaft senken. Bundeskanzlerin Merkel führt seit einiger Zeit am liebsten ein Wort im Munde: Energieeffizienz. Sie sei „das A und O“. Durch einen sparsameren Energieverbrauch, durch bessere Technologien, höhere Wirkungsgrade und intelligenterer Auslastung kann man unglaublich viel erreichen. Die Kanzlerin rief gar eine nationale Initiative ins Leben, um die Energieeffizienz in Deutschland in den nächsten dreizehn Jahren zu verdoppeln. Sowohl in der Europäischen Union, als auch beim G8-Gipfel in Heiligendamm war die bessere Ausnutzung ein wichtiges Thema, wofür die Kanzlerin als ehemalige Umweltministerin erhebliche Sachkompetenz in die Verhandlungen einbrachte.


Ganze Kraftwerkskomplexe werden gar überflüssig. Denkt man doch an die alltägliche Verschwendung kostbarer Energie, die bereits bei der Beleuchtung im Haus anfängt, sich über den Bleifuß im Auto hin zur Dauerlüftung bei aufgedrehter Heizung in der Wohnung hinüberzieht. „Überall könne gespart werden“, so lautet auch das Mantra des Bundesumweltministers Sigmar Gabriel. Hört sich doch ganz einfach an, hat Deutschland doch clevere Ingenieure zu bieten! Klimaproblem gelöst? Mitnichten!


Die Energierechnung wird jedoch nicht ohne den Verbraucher gemacht. Beim Wort „Energieeffizienz“ assoziiert jener, was das Wort „Einsparung“ in politischen Haushaltsdebatten oftmals bedeutet. Dort wird der Begriff gerne als gut klingender Euphemismus für nichts anderes als Verzicht verwendet. Heißt das nun, dass wir auf mühsam errungene alltägliche Bequemlichkeiten verzichten müssten?


Angst ist unangebracht. Niemand wird dazu gezwungen seine Teller demnächst wieder per Hand abzuwaschen. Glücklicherweise verarbeiten Maschinen bereits effizienter diese Aufgabe, als Menschen es je könnten. Doch in anderen Bereichen wird z.T. gefordert, dass sich gängige Konsummuster verändern, wie das Freiburger Öko-Institut jüngst verlangte. Als Argument wird dabei ins Feld geführt, dass zwar Effizienzgewinne in den letzten Jahren durch bessere Wohndämmung und neuer Heizungen erreicht wurden. Letztlich aber erhöhe sich die absolute Summe verbrauchter Energie, da gleichzeitig die genutzte Wohnfläche stieg. Dieses Muster sei auf Autos, Küchen- und Unterhaltungselektronik übertragbar. Diese würden größer, schwerer oder schlicht in ihrer Anzahl mehr werden, wodurch die Effizienzgewinne am Ende nicht ausreichten, um die ehrgeizigen Klimaziele zu erreichen.


Doch statt bei dem Verbraucher Angst über Veränderungen zu schüren, gilt es sich zunächst zu überlegen, welche Maßnahmen sinnvoll und ohne große Streitigkeiten hervorzurufen umgesetzt werden können. Eine davon ist ganz simpel und naheliegend. Zunächst sollte man damit anfangen für Energietransparenz zu sorgen. Denn Energietransparenz sorgt für Kostentransparenz.


Wenn dem mündigen Bürger sämtliche energierelevanten Informationen an die Hand gegeben werden, wird er sich schon fragen zu welchem Produkt er greift. Was bei Kühlschränken durch entsprechend farbige Aufkleber und Klassifizierungen in Effizienzstufen (mit der energieschonendsten Stufe A++) funktioniert, dürfte ebenfalls bei Autos, Heizungen und andern energieverbrauchenden Sachen bis hin zu Häusern funktionieren. Wird dem Kunden vor Augen geführt, was sein begehrtes Produkt an Energie schluckt, mag er vielleicht dazu eher bereit sein, einen etwas höheren Kaufpreis zu zahlen, wenn er dafür ein sparsameres Produkt und ein sauberes Gewissen erwirbt.


Von einem Umdenken der Konsumenten ist das neue Denken bei Entscheidern zu unterscheiden, welches dafür benötigt wird neue Einsparmethoden in die Praxis umzusetzen. Ein gutes Beispiel dafür ist der neue Bank of America-Tower in New York.


Dieser gilt nunmehr auch als Symbol dafür, wie amerikanische Firmen ihre Ansichten über energiesparende Techniken im Häuserbau revidieren. Denn gerade hier wurden noch vor wenigen Jahren Verantwortliche, die energieeffiziente Gebäude bauen wollten, belächelt.


Dies ist nunmehr im Begriff sich zu ändern, wenn auch mehr kühle Rechnerei, als die Liebe zur Natur, den Ausschlag gab. Doch Moralisieren bringt die Welt in der Klimafrage nicht weiter. Ökonomie und Ökologie schließen sich längst nicht mehr aus. Durch innovative Baumethoden und aktueller Technik ist es nämlich u.a. möglich 20% bis 50% der Elektrizitätskosten eines gängigen Wolkenkratzers zu senken, wie Energieeffizienzexperten feststellten.


Architekt Robert Fox macht dabei klar, dass es um ein moderneres ganzheitliches Denken unter dem Ziel des geringsten Energieverbrauches geht. "One of the more important things is to understand how your building acts," sagte Fox der angesehenen Washington Post. "It's not just a matter of how much insulation you use. Our goal is to absolutely consume the least amount of power".


Statt 40W-Glühbirnen werden nun beispielsweise überall LEDs eingesetzt. Bewegungssensoren schalten bei Bedarf das Licht an, ansonsten bleibt es dunkel. Oder auch Energierückgewinnung aus der Abluft sorgt für ein großes Einsparpotential. Allerdings muss auch das Gesamtkonzept stimmen. Dazu gehört neben besseren Konstruktionstechniken und neuen energiesparenden Geräten auch ein klügeres Management.

Alle Maßnahmen zusammen müssen nicht einmal teuer sein. Gerade einmal zwei Prozent von 1,3 Mrd. US-$ Gesamtkosten hat es den Architekten Fox gekostet, den Bank of America-Tower "grün" zu gestalten. Auf dem dazu hypothetisch ausgegebenen Gebäudeenergieausweis wäre grün damit auch die dominierende Farbe.

Transparenz sorgt wie hiermit anschaulich gezeigt für gute Argumente. Für die Entscheider und für den Umweltschutz.

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