Direkt zum Hauptbereich

Rezensionen zum Referendariat - Dinter/Jakob: Die Staatsanwaltsklausur

Das Jurastudium ist vorbei! Damit ist aber die Juristische Ausbildung noch längst nicht vollständig beendet. Das Rechtsreferendariat, mit dem 2. Examen als Abschluss, bildet erst das Ende einer langen Reise auf dem Weg zum Volljuristen.

Aus dem badischen Freiburg zog es mich vor einiger Zeit nach Berlin zum Kammergericht. Ich möchte ein paar Geschichten und Artikel rund um das Referendariat in diesem Blog fortführen. Dabei dürfen selbstredend Rezensionen zur Ausbildungsliteratur nicht fehlen. Aufgrund der unterschiedlichen Anforderungen und Gepflogenheiten bei den Oberlandesgerichten und den Justizprüfungsämtern ist es nicht einfach alle Besonderheiten im Blick zu behalten, so dass ich hier dem ein oder anderen Leser ein paar wertvolle Einblicke oder Perspektiven mit auf dem Weg geben kann, die sich in erster Linie an den Gegebenheiten in Berlin orientieren.


Dinter/Jakob, Die Staatsanwaltsklausur - Prüfungswissen für das Assessorexamen, 1. Auflage 2013, 18,99 €

Das Strafprozessrecht gehörte zu den Rechtsgebieten, bei denen ich zur Vorbereitung auf das 1. Examen "Mut zur Lücke" bewies. Zum 2. Examen ist eine vertiefte Beschäftigung hiermit aber unerlässlich. Zumal das Strafrecht im Vergleich zum 1. Examen in Baden-Württemberg, wo nur eine Klausur von sechs in jenem Rechtsgebiet gefordert wird, nun in Berlin zum 2. Examen mit zwei von sieben Klausuren ein größeres Gewicht zukommt. Wer möchte kann sogar seine Wahlklausur ebenfalls im Strafrecht schreiben und damit sein Examen mit drei von sieben Klausuren im Strafrecht bestreiten.

In der Arbeitsgemeinschaft (AG) bekamen wir von unserem AG-Leiter ein recht kompaktes Skript mit auf dem Weg, so dass sich zunächst die Frage nach dem Sinn einer zusätzlichen Investition stellt. Der Mehrwert liegt dann auch u.a. in der Prägnanz und der Kompaktheit des heute zu rezensierenden Werkes der beiden niedersächsischen Autoren, welches sich zum schnellen Einarbeiten oder Wiederholen eignet. Durch die Kompaktheit findet aber auch eine Verdichtung des Stoffes statt, so dass man nicht mit der Erwartung an das Werk heran gehen darf, es würde einem ohne Vorkenntnisse das Strafprozessrecht von der Pike auf beibringen. Gewisse Vorkenntnisse werden schon erwartet. Durch den Einführungslehrgang sollte aber zumindest ein erstes Grundgerüst bereits bestehen, auf dass sich aufbauen lässt. Wem das zu wenig ist, greift lieber zunächst zu einem guten Lehrbuch zum Strafprozessrecht. Auch wer mehr Detailwissen sucht, sollte zu einem Lehrbuch oder Kommentar greifen.

Der am Anfang des Referendariats wichtigste Klausurtypus im Strafrecht ist die Staatsanwaltsklausur (später kommt noch die Revisionsklausur hinzu).

Jene besteht aus drei Teilen: 1) Dem materiellen Gutachten (auch A-Gutachten genannt), 2) dem prozessualen Gutachten (auch B-Gutachten genannt) und 3), der praktische Teil, zumeist dem Anfertigen einer Anklageschrift.

Das materielle Gutachten ist ähnlich dem bereits vom 1. Examen her bekannten Gutachten, wenn auch nun ein paar Besonderheiten, wie bspw. die Stellung der Prüfung der Strafanträge und die Beweiswürdigung hinzu kommen. Auch prozessuale Probleme werden beim Tatbestandsmerkmal, das problematisch ist, mit angesprochen.

Neu hingegen sind die beiden anderen Teile. Im prozessualen Gutachten sind weitere prozessrechtliche Erwägungen anzustellen. Die Anklageschrift ist das eigentliche Endprodukt der Klausur, welche dementsprechend sorgfältig formuliert sein sollte.

Wer schon zum 1. Examen aufgrund der Stofffülle in Zeitnöte kam, wird nicht begeistert sein: Denn die beiden letzten Teile fressen ebenfalls Zeit von der Klausurbearbeitung und der Umfang der Klausuren ist zumeist so bemessen, dass man kaum fertig wird.

Ein Pluspunkt des Werkes ist es mit vielen Formulierungsbeispielen das Handwerkszeug zu vermitteln, wie man eine Strafrechtsklausur bewältigt. Insbesondere beim praktischen Teil erhält man damit wertvolle Hinweise an die Hand wie man eine gute Anklageschrift formuliert. Neben strafprozessualem Wissen und den schon erwähnten Formulierungsbeispielen helfen auch grafische Übersichten den abstrakten Stoff besser zu durchdringen.

Die Autoren nehmen auf die regionalen Besonderheiten Rücksicht und sprechen die wichtigsten Unterschiede und Gepflogenheiten an. Insbesondere beim Aufbau, aber auch bei inhaltlichen Fragen, bspw. dem richtigen Ort der Prüfung von § 21 StGB. Dabei bildet die niedersächsische Heimat der Autoren stets die Grundlage, so dass man bei manchem Detail nicht umhin kommt in Erfahrung zu bringen, wie es bei dem eigenen Ausbildungsgericht gehandhabt wird. Diese Lücken halten sich aber in Grenzen, so dass sich das Werk bundesweit gut verwenden lässt.

Fazit: Knapp, knackig, gut. Das Werk ist eine wertvolle Hilfe für die Bewältigung der Staatsanwaltsklausur.

Beliebte Posts aus diesem Blog

Warum die "Ehe für Alle" verfassungswidrig ist

A.EinleitungSchleichend nahm eine Entwicklung im Jahr 2017 im Bundestag ihr abruptes Ende, die kurz nach der Jahrtausendwende zuvor bereits die Gemüter der Bundesrepublik vor dem Bundesverfassungsgericht erregte und letztlich ein mit einer Institutsgarantie ausgestattes Strukturmerkmal unserer Verfassung zu Fall brachte: Den klassischen Ehebegriff. Ist mit dem erfolgten Federstrich des Gesetzgebers in der Sache jetzt die letzte Schlacht geschlagen? Sind Berge von Literatur nun obsolet? Mit einem „Ja!“ als Antwort könnte man diesen Beitrag beenden bevor er begonnen hat. Doch die verfassungsrechtliche Bewertung erfordert noch ein paar Worte mehr und so viel sei vorab verraten, der Preis für die Befürworter ist hoch – denn ihr politischer Sieg erfolgte nur auf Kosten eines wohl ungeahndet bleibenden Verfassungsbruchs. B.Überrumpelung als Methode – wie die „Ehe für Alle“ in den Bundestag zur Abstimmung kamAm Ende ging alles ganz schnell. Selbst die Bayrische Staatsregierung – bislang eine …

Defusing the atomic bomb - Dealing with Iran’s Nuclear Program

Folgenden Essay habe ich im August 2010 als Wettbewerbsbeitrag für die Atlantic Community zum Thema Iran und dessen Atomprogramm verfasst. Leider kam er nicht in die engere Auswahl und möchte ihn dennoch an dieser Stelle veröffentlichen, schließlich sollen die Mühen ja nicht ganz umsonst gewesen sein. Mittlerweile hat sich ein 60 Mrd. Dollar-Deal der Amerikaner an Saudi-Arabien angekündigt. Ebenso wurden 20 F35-Stealth-Jets an Israel verkauft. Wie es schien, lag ich mit meiner Einschätzung und den Vorschlägen daher nicht ganz falsch. Viel Spaß beim Lesen!
Defusing the atomic bomb - Dealing with Iran’s Nuclear Program
Since the public disclosure of reports which revealed the existence of a uranium enrichment facility in Natanz and a heavy water facility in Arak in August 2002, there has been an open debate in the West of how to deal with Iran’s Nuclear Program. In order to understand the highly complex issue, some context needs to be provided first before I am going to outline a stra…

Kommentar zur ARD-Verfilmung des Theaterstücks "Terror"

Die am 17. Oktober 2016 in der ARD ausgestrahlte Verfilmung des Theaterstücks "Terror" von Ferdinand von Schirach sorgt aktuell für feurige Debatten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Mit vielen Emotionen ging es dort um das deutsche Luftsicherheitsgesetz, die Menschenwürde und der Strafbarkeit eines Piloten, der gegen den ausdrücklichen Befehl seiner Vorgesetzten eine gekaperte Passagiermaschine abschießt, um das Leben von mehreren Tausenden zu verhindern.

In Form einer Simulation einer fiktiven Gerichtsverhandlung des Piloten vor einer als Schwurgericht tagenden Großen Strafkammer hat die ARD die Provokation gewagt das Urteil in die Hände der Zuschauer zu legen. Diese hatten die Wahl den wegen 164-fachen Mordes angeklagten Piloten in einer Abstimmung entweder "schuldig" oder frei zu sprechen.

Meinungsstarke Juristen wie Prof. Thomas Fischer als auch Heribert Prantl fanden deutliche Worte der Ablehnung und stimmten in den Chor der Empörten ein, deren Ton…