16 Juni 2010

Tipps zum Jurastudium #18

Kurz vorgestellt

Eichholz, JURIQ-Erfolgstraining Europarecht, 16,95 €

Nachdem ich immer noch ein aktuelles Werk zum Europarecht nach dem Vertrag von Lissabon suchte, erreichte mich vor ein paar Tagen nun aus dem C.F.-Müller-Verlag (Vielen Dank!) das frisch erschienene Europarechts-Skript von Christiane Eichholz aus der JURIQ-Reihe.

Das Skript zeichnet sich durch folgende Besonderheiten gegenüber anderen aus:

a) ein nach didaktischen Gesichtspunkten ausgewähltes Farblayout und Symbolik;
b) Grafiken / Illustrationen, die das Schriftbild auflockern;
c) Zugangscode für einen Online-Multiple-Choice-Trainer;
d) Lerncoaching-Tipps;
e) integrierte Übungsfälle samt Lösungen im Gutachtenstil

Inhaltlich untergliedert sich das Werk in acht Teile: 1) Die europäische Integration, 2) Die Rechtsnatur der EU, 3) Der Anwendungs- oder Geltungsvorrang des Unionsrechts, 4) Quellen des Unionsrechts, 5) Das institutionelle System der Union, 6) Das Rechtsetzungsverfahren, 7) Das Rechtsschutzsystem und 8) Die vier Grundfreiheiten.

Trotz der immerhin 186 Seiten wirkt es auch recht kompakt gehalten, was vor allem am übersichtlichen Schriftbild und dem großzügigen Layout mit vielen optischen Gimmicks liegt.

Europarecht ist andererseits komplex und breit. Es auf diesen wenigen Seiten darzustellen und damit eine notwendige Straffung vorzunehmen, ist schon eine Kunst an sich.

Das Werk wendet sich in erster Linie an Einsteiger, die sich neu in das Europarecht einarbeiten wollen, als auch an Examenskandidaten, die sich die examensrelevanten Grundlagen des Europarechts nach aktueller Rechtslage nochmal vergegenwärtigen wollen. Allzu detaillierte Abhandlungen darf man hingegen nicht erwarten, wer also tiefer einsteigen will und etwas mehr Zeit für die Erschließung des Kontextes investieren möchte, sei deshalb ein Blick auf Ulrich Halterns "Europarecht - Dogmatik im Kontext" empfohlen (2. Aufl. 2007, leider nach Lissabon nicht mehr aktuell).

Inhaltlich äußert sich die Straffung des Stoffes darin, dass nur die allerwichtigsten Dinge in den Übungsfällen vertieft in Fallform dargestellt werden und auch sonst die Erläuterungen recht knapp ausfallen. Dafür wird die gesamte Breite des Stoffes abgedeckt und man erhält eine solide Grundlage, auf die durch den Besuch von Vorlesungen oder die Heranziehung weiterer Bücher aufgebaut werden kann. Auf sich stellende Probleme wird gewohnt durch Symbole am Rand hingewiesen, wo sich auch zahlreiche Anmerkungen und Wiederholungshinweise zum Stoff finden.

Als kleinerer Kritikpunkt wäre meinerseits die nicht ganz gelungene Herangehensweise in Bezug auf die Bezeichnung bzw. Einarbeitung der Paragrafen des EUV zu nennen. Das Lesen wird dadurch etwas kompliziert. Mal findet sich im Haupttext die alte Bezeichnung und eine Fußnote auf die aktuelle Regelung (siehe z.B. Rn. 82). Ein anderes mal findet sich die neue Bezeichnung gleich im Haupttext mit dem Zusatz n.F oder die alte Bezeichnung mit dem Zusatz a.F. Genauso häufig werden alte EGV-Vorschriften (richtigerweise ohne den Zusatz a.F.) genannt. Bei den neuen Normen dann der AEUV.

Beispielsweise Rn. 82: Es hätten die Vorschriften mit identischem Pendent im neuen EUV auch konsequenterweise gleich zitiert werden können, anstatt den Umweg über die alte Norm und die Fußnote zu gehen. Wer nach diesem Abschnitt genauso verwirrt von den vielen Abkürzungen ist, dürfte einen Eindruck von dem Problem bekommen haben, das ich versucht habe hiermit anzuschneiden. Ansonsten lässt sich das Werk aber gewohnt zügig durcharbeiten.

Positiv ist auch der online verfügbare Multiple-Choice-Trainer hervor zu heben. Für ein Jahr steht dieser samt Lernfortschritsskontrolle jedem Skript-Käufer kostenlos zur Verfügung.

Fazit: Mit dem JURIQ-Skript Europarecht erhält man einen knappen, aber die ganze Breite des Stoffes abdeckenden Einstieg in das Rechtsgebiet. Die leicht zugängliche Aufmachung mit vielen Tipps, Hinweisen und Anmerkungen wird sicher weiter zu Recht seine Anhänger finden.