14 März 2011

Tipps zum Jurastudium #27

Susanne A. Benner, Klausurenkurs im Familien- und Erbrecht, 3. Aufl. 2010, 20,95 €


vs.

Martin Löhnig, Fälle zum Familien- und Erbrecht, 2. Aufl. 2010, 18,90 €

Stiefmütterlich vernachlässigen viele Examenskandidaten beide Rechtsgebiete, um die es in den heute vorgestellten Werken gehen soll. Das Erbrecht hat dabei eine etwas größere Relevanz als das Familienrecht, ganz vernachlässigen sollte man dennoch beide Gebiete nicht.

Beide Fallbücher verfolgen die gleiche Zielsetzung den Examenskandidaten einen Überblick über den prüfungsrelevanten Stoff zu verschaffen. Doch unterscheiden sich beide merklich von der inhaltlichen Tiefe und der Herangehensweise, die geboten wird.

Der Klausurenkurs von Benner ist in meinen Augen gut für das erstmalige Einarbeiten in die Rechtsgebiete geeignet, da jener sich auf die Vermittlung typisch vorkommender Konstellationen konzentriert und dies für die Grundzüge ausreichend sein sollte. Das Buch trennt beide Rechtsgebiete und handelt in in den Fällen zwar auch die angrenzenden Rechtsgebiete mit ein. Im Familienrechts-Teil finden sich aber ausschließlich Problemschwerpunkte aus jenem Gebiet. Im Erbrechtsteil entsprechend analog aus dem Erbrecht. Kritisch an dem Werk zu bemerken ist der an manchen Stellen nicht gut gelungene Stil, der auch manche Argumente nicht nachvollziehen lässt, wenn man die Materie nicht bereits kennt.

Anders dagegen das Fallbuch von Löhnig, dass vielfach familien- wie erbrechtliche Problemschwerpunkte in den Fällen verzahnt und ebenso Bezüge zu den Nebengebieten (Handels-, Gesellschaftsrecht und ZPO) herstellt. Der inhaltliche Anspruch ist damit höher, da die komplexen "Querverstrebungen" eine vertiefte Kenntnis in den Rechtsgebieten erfordern. Auch der Stil ist auf höherem Niveau. Es fragt sich jedoch, ob die Vorbereitung in dieser Tiefe wirklich notwendig ist. Für Studenten aus dem Schwerpunkt möchte der Autor aber ebenso bedienen, weshalb Examenskandidaten mitunter besser fahren nicht alle Fälle durchzuarbeiten sondern ein paar auswählen.

Zu Layout, Aufbau und den gebotenen Besonderheiten brauche ich mich nicht weiter vertieft zu äußern, da sie von vergleichbaren Werken der gleichen Verlagsreihe nicht weiter abweichen. Das heißt, dass beim Löhnig außer den Hinweisen in den Falllösungen nicht viele "Extras" geboten werden und die Präsentation eher schlicht ist.
Die Repetitoriums-Abschnitte sind bei Benner im Vergleich zu anderen Werken aus der Verlagsreihe recht knapp gehalten. Die Wiederholungsfragen am Ende sind dagegen erfreulich und erfüllen ihren Zweck.

Fazit: Der Klausurenkurs von Benner eignet sich insbesondere gut für die erstmalige Erarbeitung der Grundzüge des Familien- und Erbrechts. Leider trüben im Detail ein paar Schwächen im Stil das Bild. Das Fallbuch von Löhnig wendet sich an erfahrenere Studenten, die sich zum Examen vertiefte Kenntnisse aneignen wollen und ein solides Werk mit einem hohen Anspruch benötigen.

09 März 2011

Tipps zum Jurastudium #26

Heimann/Kirchhof/Waldhoff, Beck'sches Examinatorium - Verfassungsrecht, 2. Aufl. 2010, 24,90 €


Zweiter Herausforderer für die Examensvorbereitung im Staatsrecht ist das nunmehr vorgestellte Werk aus dem "Beck'schen Examinatorium", welches vor ein paar Monaten in aktueller Auflage erschienen ist. Als Referenz steht immer noch der Degenhart im Raum. Ob das Autorentrio da heran kommt?

Aufmerksamen Lesern dürfte die Reihe und deren Konzeption bereits bekannt sein. Für alle anderen sei kurz wiederholt, dass Ziel der Reihe ist das examensrelevante Wissen anhand von anspruchsvollen Fällen abzubilden. Davon finden sich nunmehr 20 im Buch. Vertiefende Hinweise, Anmerkungen und Kommentierungen werden eingestreut, um den Aufbau und die Herangehensweise der Lösung zu verstehen oder relevante Informationen en passent mitzugeben.

Höchst erfreulich ist das von der Reihe bereits gewohnte hohe Niveau der Fälle und dass damit abgedeckte breite Themenspektrum. Es finden sich nicht nur die wichtigsten Standard-Probleme, sondern auch Spezialkonstellationen wieder. Beispielsweise kommen die Bezüge zum Landesverfassungsrecht nicht zu kurz (Fall 18). Auch finden sich Fälle zum Verhältnis Grundgesetz - EU und Völkerrecht (Fall 20, Fall 16, Fall 7) der gar eine Wahlprüfung (Fall 4) in dem Werk wieder. Selbst das Steuerverfassungsrecht ist mit einem Fall bedacht worden (Fall 15).

Aber nicht nur vom Themenspektrum, sondern auch inhaltlich liefert das Werk solide Arbeit, wobei kritisch anzumerken bleibt, dass die Autoren gerne zu dogmatischen Konstruktionen neigen, die vom Bundesverfassungsgericht nicht geteilt werden bzw. in der Lehre nicht ganz so prominent sind. Dies betrifft meist nur Details, die zudem auch von den Autoren angesprochen und erläutert werden. Auch ist die herrschende Position genannt und erläutert worden. In der Tiefe muss man das in einer Examensklausur selbstredend nicht alles bringen. Man darf halt nicht allzu überrascht sein "neues" zu entdecken. Das macht - wie in der Juristerei üblich - auch vor der Terminologie nicht halt. Examenskandidaten sollten sich davon aber nicht mehr durch die Irre bringen lassen. Bei Anfängern, die in dem Werk für eine Hausarbeit stöbern, dürfte dies aber unter Umständen zu Verwirrungen führen.

Im Vergleich zum Degenhart werden leider weniger Übersichten und weitere "Gimmicks" präsentiert. Auch sind die Fälle meist im Fließtext mit wenigen Absätzen gesetzt. Mit Fettdruck wird äußerst sparsam umgegangen und findet sich meist lediglich in den Vertiefungshinweisen. Der Degenhart hatte auch die konventionelleren Falllösungen im Angebot. Dafür deckt er weniger Spezialprobleme ab, die aber mitunter auch im Examen abgeprüft werden.

Fazit: Knapp fällt daher mein Urteil zu Gunsten des Degenharts aus. Beides sind aber solide Werke zur Vorbereitung auf das Staatsrecht und sehr zu empfehlen.