29 Juli 2008

Alkoholsperrbezirk verlängert

Wieder einmal ist Alkohol ein Thema in der Stadt. Bis zum Sommer 2009 hat am 22. Juli 2008 der Freiburger Gemeinderat den Alkoholsperrbezirk verlängert. Offenes Mitführen von Alkohol als auch dessen Konsum ist im "Bermudadreieck" zwischen Martinstor, Werderring und Bertoldsbrunnen somit weiterhin nicht gestattet. Grund für die dem Verbot zugrunde liegende Polizeiverordnung war die z.T: erheblich gestiegene Zahl der Gewaltdelikte in jenem Bereich.

Hat der Sperrbezirk denn etwas an der Situation zum Positiven verändert? Um die Antwort vorweg zu nehmen: So ganz genau lässt sich das noch nicht beantworten, die Datenlage spricht eine undeutliche Sprache.

Die Zahl der Gewalttaten ist in den erstem fünf Monaten des Jahres 2008 von 82 im Jahr 2007 auf nunmehr 69 gesunken, was ein Rückgang um 16 Prozent bedeutet. Doch ist das Ergebnis mit Vorsicht zu lesen, wie Prof. Dr. Roland Hefendehl, Leiter des Instituts für Kriminologie und Wirtschaftsstrafrecht an der Universität Freiburg, der Wochenzeitung "Der Sonntag" (13. Juli 2008) verdeutlichte.

In den ersten fünf Monaten 2008 seien nur 6 Gewalttaten an den angeblich so belasteten Freitagen aufgetreten, und davon nur zwei am Abend. "Man zählt im Zeitraum von Freitag- und Samstagnacht, auf den das Alkoholverbot abzielt, sogar eine Steigerung der Delikte." Eine eindeutige Tendenz sähe anders aus, so Hefendehl.

Zuvor hatteder Arbeitskreis Suchthilfe und die Universität das Ergebnis einer Umfrage veröffentlicht, in der 300 Jugendliche im Alter von 15 bis 25 über ihre Trinkgewohnheiten befragt wurden. Das Ergebnis überraschte dann auch kaum, dass der Alkoholkonsum eine große Rolle spielen würde. 93 Prozent der Befragten würde regelmäßig Alkohol trinken, davon die Hälfte bereits bevor sie zu ihrer Freizeitgestaltung am Abend in die Innenstadt kämen. Ein Drittel der Jugendlichen habe angegeben, dass sie im zurückligenden Jahr an einer Schlägerei beteiligt waren. 90 Prozent von jenem Drittel standen unter Alkoholeinfluss. Den Initiatoren der Studie sei deshalb klar ersichtlich, dass es einen Zusammenhang zwischen Trinken und Gewalt gäbe.

Einspruch! Hefendehl bestreitet jenes Ergebnis, dessen Kritik ich mich nur anschließen kann: "Ablesen kann man daraus nur, dass offensichtlich bedenklich viel Alkohol konsumiert wird, der ursächliche Zusammenhang zwischen Alkohol und Gewalt ergibt sich hieraus aber nicht, da viele Menschen im Bermudadreieck abends alkoholisiert zu sein scheinen, egal welcher Aktivität sie nachgehen."

Die Aussage ein Zusammenhang zwischen Alkohol und Gewalt sei eindeutig, ist nach Hefendehl "schlicht falsch und unredlich". Auch werde die Bedeutung des Alkoholverbotes für die Innenstadt nicht klar, wenn bereits mehr als die Hälfte der Jugendlichen bereits bevor sie in die Stadt gehen "vorglühen" (d.h. bereits Alkohol konsumiert haben). Wieso braucht es dann ausgerechnet in der Innenstadt ein Alkoholverbot?

Zudem würden die hier als unangenehm geschilderten Zahlen zu Heiterkeitsanfällen in anderen Großstädten führen. "Wir leben in Freiburg auf einem privilegierten Niveau, was auch mit dem aufgeschlossenen Ruf Freiburgs zu tun hat. Deswegen ist es besonders schade, dass man jetzt meint, hier so aggressiv eingreifen zu müssen.", lautet das Fazit Hefendehls.

Wie der Beitrag mit den Videos der Anti-Alkohol-Kampagne Großbritanniens zeigt, möchte ich verdeutlichen, dass mir das Thema auch am Herzen liegt. Liebling der Pöbler und Alkoholjunkies bin ich mitnichten, wie jeder andere vernünftig und gerecht Denkender auch. Moderater Konsum ist okay, soweit man aber sich nicht mehr im Griff hat, sollte man es lassen. Mir geht es vor allem darum zu kritisieren mit welchen Mitteln die (Lokal-)Politik versucht sich gegen ein gesellschaftliches Phänomen der letzten Jahre zu stellen. Durch puren Aktionismus erreicht man kaum etwas in der Sache. Und jenes Alkoholverbot zeugt vom Aktionismus wie er quer durch das Parteienspektrum im Gemeinderat getragen wird.

Aber statt sich mit den komplexen Ursachen des Phänomens zu widmen, wird im Gemeinderat lieber darüber gesprochen, dass man im Selbstversuch schon öfters die Wirkung von Alkohol überpüft hätte und dazu keine wissenschaftlichen Studien bräuchte. Vielen Dank für diesen gehaltvollen Beitrag zur Diskussion!

24 Juli 2008

Alcohol Know Your Limits

Gib dem Komasaufen keine Chance!

Für die Jungs:


Für die Mädels:

15 Juli 2008

Satire Gone Wrong - The Obama Controversy

Was darf Satire? Darf sie einen Politiker zum Abschuss freigeben? Darf Sie ihm einen Turban umhängen, die US-Flagge im Kamin verbrennen lassen und seine Frau als kampfeslustige und waffengespickte Terroristin darstellen? Noch dazu, wenn es sich um den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama handelt, dem immer wieder unredliche Verbindungen zu Muslimen angedichtet werden?

Amerika ist erzürnt! Die Stimmung kocht geradezu über. Heftigst wird darum debattiert, wie man denn das strittige Cover des geachteten liberalen Magazins "The New Yorker" zu deuten habe, welches jene Karrikatur zeigt, um die der ganze politische Streit tobt.

Übertitelt war sie mit "The Politics of Fear" (dt. Die Politik der Angst) und verarbeitete die Märchen, die über Obama im rechten Politspektrum erzählt werden. Geradezu grotesk anstößig wirkt das im New Yorker entworfene Amerika-hassende Szenario. Doch scheint durch die offensiv-anstößige Art der Karrikatur die richtige Botschaft auf dem Wege zum Betrachter verloren gegangen zu sein. Statt die politischen Hardliner von rechts außen zu verlachen, die jenen Unsinn tatsächlich ernst meinen, erntet das Blatt viel Kritik von allen Seiten für die herabwürdigende Darstellung des Präsidentschaftskandidaten Obama. Die Karrikatur würde nur die Stimmung gegen Obama anheizen, indem sie die Ressentiments gegen ihn noch weiter verstärken. So der einhellige Kommentar der Kritiker.

Zu übersehen, dass gerade das Obama-freundliche Leserclientel vom New Yorker sehr empfindlich auf die Karrikatur reagieren würde, dürfte einer der Fehleinschätzungen der Redaktion gewesen sein. Ein anderer war es, auf die Kompetenz der Menschen zu vertrauen die Szenerie schon in die richtige Botschaft zu übersetzen. Das ist offensichtlich misslungen. Hier ist nicht nur die Leserschaft des New Yorker überfordert worden, einer Elite, die sich sehr mit den Werten Obamas identifiziert und politisch interessiert ist. Auch der Durchschnittsamerikaner hat die Botschaft einfach nicht verstanden.

Die Washington Post fasst es folgendermaßen zusammen: If you want satire to be "effective" (like a good editorial or a well-written position paper) you must aim at a wide audience, invite people in and wink with exaggerated meaning. In the cartoon, Obama almost looks as though he's winking. But "almost" doesn't count in socially safe satire. [...] And if the satire isn't carefully calibrated to a target audience, then it will almost assuredly be remembered for its offensiveness rather than its supposedly palliative effect on the body politic.

Ist es denn Satire?
Wenn man im juristischen Sinne urteilen müsste, würde man mit Sicherheit sagen: Ja. In den USA, in der das Recht auf freie Meinungsäußerung (Free Speech) einen sehr hohen Rang genießt, stellt sich diese Frage ebenfalls nicht ernsthaft. Niemand kann also dem New Yorker verbieten jene Karrikatur zu verbreiten.

In politischen Kategorien gedacht, darf aber die Frage erlaubt sein, wem dieser Karikaturenstreit eigentlich nützt. Und da hat der New Yorker wohl mehr Schaden für Obama angerichtet als es ihm nützt. So findet sich doch ein Fünkchen Ironie darin, dass ausgerechnet jene Elemente von der Kontroverse profitieren, die eigentlich verächtlich gemacht werden sollten.

Update: