22 September 2006

Mitgehört, Mitgeschnitten, Mitgesessen

Es ist eine Affäre, die selbst im skandalreichen Italien über das bisher dagewesene herausragt. Das von dem Ex-Chef der Telecom Italia Marco Tronchetti Provera hochgezogene Spionagenetz, das nach ersten Angaben bis zu 10.000 Italiener abgehört haben soll, erregt zur Zeit die Gemüter von Datenschützern und italienischen Bürgern.

"Überwacht wurden, so die Mailänder Staatsanwaltschaft Konzernchefs, Bankmanager und Sportfunktionäre, Journalisten, Künstler und Showstars, Konkurrenten, Vertriebsfirmen und Zulieferer, darüber hinaus Personen, die sich für eine Stelle bei der Telecom oder beim Reifenmulti Pirelli bewarben.", meldet "Die Presse.com".

Von Telefonverbindungen, E-Mail-Korrespondenz bishin zu Bankdaten sollen Informationen in einer Menge gesammelt worden sein, "dass sogar die Geheimdienste neidisch werden könnten" - wird die Mailänder Untersuchungsrichterin zitiert.

Ob der italienische Geheimdienst involviert ist, wozu die Informationen genutzt worden sind und in welcher Höhe die Privatschnüffler Geld durch den Verkauf der brisanten Informationen in die eigene Tasche gewirtschaftet haben, ist bisher nicht zweifelsfrei geklärt.

Die italienische Regierung unter Ministerpräsident Prodi beschloss heute in einer Sondersitzung eine Verschärfung der Privacy-Gesetze zum Schutz der Privatsphäre, meldete die Tagesschau. 18 Personen sitzen derzeit in Untersuchungshaft und 3 verbleiben unter Hausarrest. Zudem wird gegen vier weitere Personen ermittelt. Die Anschuldigungen: Korruption, Gravierende Verletzungen von Datenschutz und Privatsphäre, Geldwäsche und Bildung einer kriminellen Vereinigung.

Wer dachte, dass solcherlei Machenschaften in Kriminalromane gehört, dürfte nun aus seinen Träumen erwacht sein.

17 September 2006

Umgarnte Praktikanten?

Generation Praktikum. Zunehmend kontrovers wird über die Behandlung der nach Praxiserfahrung strebenden jungen Menschen geredet.

Mehrere tausend Stellen werden derzeit von Praktikanten ausgefüllt, die mal für ein paar Wochen bishin zu einem Jahr in Unternehmen oder staatlichen Institutionen arbeiten möchten.

Brisant wird es erst, wenn ein Praktikum nach dem anderen absolviert wird, um die ersehnte Festanstellung zu erreichen. Politik und Gewerkschaftsverbände mahnen dies in letzter Zeit vermehrt an. Den Einsatz unbezahlter Praktikanten als reguläre Arbeitskraft will Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) wenn nötig sogar mit einem Gesetz einschränken.

Ist denn die Arbeitsrealität wirklich so schlimm? Wenn man einer nicht repräsentativen Umfrage auf der vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) betriebenen Webseite students-at-work.de glauben schenken darf, dann beweist sie in Hinsicht auf die großen DAX30-Unternehmen wie zum Beispiel Daimler-Chrysler das Gegenteil. Die Bewertungen halten sich durchweg im guten bis sehr guten Rahmen.

Anders dagegen bei Medienunternehmen und Architekturbüros - die Bewertungsurteile der Praktikanten liegen meist unter dem Durchschnitt. Ein Vorwurf: Erst wird ein Anschlussjob an das Praktikum in Aussicht gestellt, um später diese Stelle dann mit dem nächsten Praktikanten zu besetzen.

Es gibt neben unbezahlten natürlich auch bezahlte Praktika. Wirtschaftsprüfer wie Ernst & Young oder KPMG zahlen bis zu 1000 Euro im Monat. Deutsche Telekom und Henkel dagegen 800 Euro - ein der Orientierung dienender Durchschnittswert für Bewerber.

Spiegel Online berichtet kritisch über eine anonyme Politik-Studentin, die ein Praktikum im Bundestag bei einem FDP-Abgeordneten absolviert hat und am Ende einen Kugelschreiber im Wert von 30 Euro überreicht bekam, mitsamt einigen warmen Worten. Das war's. Für zwei Monate Arbeit. In den zwei Monaten war die Pressearbeit und die Informationsrecherche für Sitzungen des Abgeordneten ihr Métier.

In einem Bewerbungsbogen des Sozialministeriums steht: "Mir ist bekannt, dass für ein Praktikum keine Vergütung vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales gezahlt wird". Allerdings beschäftigen Ministerien tatsächlich keine Absolventen von Hochschulen als Praktikanten - sondern nur Studenten und Auszubildene, bei denen Praxiserfahrung Teil der Berufsausbildungs- oder Studienordnung ist, wie die FAZ vom 15.09.2006 (S. 24) berichtet. Im Deutschen Bundestag hänge das Praktikum wohl stark davon ab, bei welchem Abgeordneten und welcher Fraktion er zu tun hat.

Beide Erfahrungen des Praktikums habe ich im Sommer 2004 erleben dürfen. Zunächst für zwei Wochen in der gesellschafts-wissenschaftlichen Abteilung, später in der Organisationsabteilung des Wirtschaftsrates der CDU.

Der Wirtschaftsrat ist ein Wirtschaftsverband an der Schnittstelle zwischen Politik und Wirtschaft und betreut zu den wichtigsten Themengebieten Fachkommissionen, die Positionspapiere zu aktuellen politischen Diskussionen verfassen.

In den ersten zwei Wochen arbeitete ich u.a. für die Kommission "Innovation und Information" und durfte dort beispielsweise ausführliche Recherchen zu Bio-und Nanotechunternehmen durchführen. Anschließend musste ich dann die Daten in die Datenbank eintragen und dann ganz formelle Einladungen erstellen und herausfaxen. Nebenbei fielen natürlich auch typische Praktikantentätigkeiten an. Zum Beispiel mehrere 8,5 cm dicke Gesetzesbände per Hand aktualisieren (überholte Seiten rausnehmen und neue Seiten einfügen), was nebenbei bemerkt eine ganz schön stressige Arbeit ist und hohe Konzentration erfordert. Nebenbei waren auch Recherchearbeiten für die anderen Referenten durchzuführen, sodass mir insgesamt verschiedene Einblicke ermöglicht wurden.

Das Arbeitsklima mit den Referenten war kollegial, und der Abteilungsleiter sehr motivierend.

In den letzten zwei Wochen in der Organisationsabteilung sah es dagegen etwas anders aus. Zusammen mit einem anderen Praktikanten durfte ich die ganze Woche lang tagein und tagaus die Datenbank mit Informationen füttern. Etwas eintönig auf die Dauer. Zum Glück setzten wir zwei Praktikanten bei der Abteilungsleiterin aber auch etwas Abwechslung durch und durften einmal in die CDU-Bundeszentrale und zu Auswärtsterminen nach Frankfurt/Oder und Werder/Havel.

Am Ende gab's sogar eine kleine Vergütung von 100 Euro. Wichtiger war es mir persönlich jedoch von den Mitarbeitern ernst genommen zu werden und echte Zuarbeiten für die Referenten bzw. dem Verband als ganzes zu erbringen.

Die Unternehmen selbst haben inzwischen ebenfalls großes Interesse an ihrer Bewertung im Internet. Dies bringe ein wenig Transparenz in den Markt und man könne der Konkurrenz auf die Finger schauen, sagt eine DGB-Sprecherin gegenüber der FAZ. Umgarnt werden Praktikanten meist zwar nicht, doch zunehmend ernst und wichtig genommen. Zumindest bei den Großenunternehmen.

13 September 2006

MP3-Spieler für Studenten

Wie BBC-News meldet, geht eine britische Universität (South Kent College Dover) höchst spendabel mit ihren Studierenden um. 25,000 britische Pfund werden in Nano iPods investiert und an die Studentenschaft ausgeteilt. Im Gegenzug sollen die Studenten statt Musik lieber Vorlesungen herunterladen und anhören.

In den USA ist es bereits gängig die Vorlesungen entweder selbst aufzunehmen, oder gar über die Universitätsseite angeboten zu bekommen. Auch wenn noch lange nicht in jedem Kursfach Material online zur Verfügung gestellt wird, werden solcherlei Initiativen von den Studierenden begrüßt aufgenommen oder auch selbst initiiert.

Doch erfreuen sich nicht alle an einer solchen innovativen Idee. Gegner wittern eine maßlose Verschwendung von Steuergeldern. Von den Professoren wird auch das volle Meinungsspektrum ausgeschöpft. Ein Teil unterstützt die Virtualisierung des Lernens nach Kräften, andere fürchten jedoch demnächst vor leerem Hörsaal zu dozieren, da dann der Anreiz bei der Vorlesung anwesend zu sein gleich gegen Null tendiere.

"If they come to college and they get high quality teaching, they will want to come back for more," hält der verantwortliche Rektor des South Kent College in Dover jenen Vorwürfen entgegen. Und wer einmal vor rhethorisch und didaktisch begabten Professoren gesessen hat, wird ihm in diesem Punkt vollkommen zustimmen.

Denn leider ist der Lehrwert, den man aus einer didaktisch mangelhaft aufgebauten und mit 200 Kommilitonen großen Veranstaltung ziehen kann, oft mehr als fragwürdig. Solange letzteres leider eher die Regel im studentischen Betrieb bleibt, ist jede Initiative von Studentenseite her willkommen, die eine Verbesserung der Lehrsituation verspricht.

iPods, Podcasts von Lehrveranstaltungen und didaktisch aufbereitetes Online-Kursmaterial sind da ein Schritt in die richtige Richtung der methodischen Fortentwicklung. Letztlich zählt nämlich vor allem wie viel von dem Wissen tatsächlich hängen bleibt, um im späteren Beruf angewendet zu werden und nicht die Methode, durch die es vermittelt wurde.

08 September 2006

Lieblingsarbeitgeber angehender Juristen

Spiegel-Online berichtet von einer kürzlich veröffentlichten Studie, die in Zusammenarbeit des Trendence-Institut mit dem Karrierenetzwerk E-Fellows.net die bevorzugten Anlaufpunkte junger Juristen untersucht.

"Bei der Umfrage unter Studierenden, Referendaren und Volljuristen wurden insgesamt gut 1500 Fragebögen ausgewertet.

Unter den 50 ermittelten Lieblingsarbeitgebern rangiert an erster Stelle das Auswärtige Amt. Dann folgen die beiden Kanzleien Freshfields Bruckhaus Deringer und Hengeler Mueller. Clifford Chance ist vom sechsten auf den vierten Platz vorgerückt, Gleiss Lutz Rechtsanwälte vom vierten auf den fünften Platz zurückgefallen. Platz sechs teilen sich gleich drei Unternehmen: CMS Hasche Sigle, Linklaters und McKinsey. Dabei zählen vor allem CMS (Vorjahr Platz 16) und McKinsey (Vorjahr Platz elf) zu den Aufsteigern des Jahres. Auf die Plätze neun und zehn zurückgefallen sind Lufthansa (Vorjahr Platz fünf) und BMW (Vorjahr Platz acht)."


Zu der Beliebtheit des Auswärtigen Amtes wird ein junger Jurist im Spiegel zitiert, wonach der Staatsdienst wieder in Mode sei, denn viele gute Juristen würden das Arbeitsaufkommen bei Großkanzleien von 70 bis 80 Stunden in der Woche scheuen. Höhere Annerkennung und Prestige im Job würden daher den geringeren Verdienst mehr als ausgleichen.

Das durchschnittliche Einstiegsgehalt für Juristen liegt aktuell bei 53.300 Euro Jahresgehalt brutto inklusive Bonus bei einer Wochenarbeitszeit von 54,9 Stunden und damit kaum höher als die 52.100 Euro bei 54, 3 Stunden im vergangenem Jahr.


Update:

Die Ergebnisse der Studie sind hier abrufbar.

"Eingeladen wurden Studierende der Rechtswissenschaften des Karrierenetzwerkes e-fellows.net. Um in das Netzwerk aufgenommen zu werden, müssen die Mitglieder besonders strenge Anforderungen bzgl. Noten und Erfahrungen erfüllen. Die Stichprobe aller Befragten stellt mithin bereits eine Vorauswahl von „High Potentials“ dar."

Dem Zeit-Studienführer 2006/07 zufolge kann das Einstiegsgehalt als freier Mitarbeiter für Anwaltskanzleien bisweilen bei deutlich unter 20.000 Euro liegen. Die Bandbreite ist also enorm, verdient man doch bei den Top-Kanzleien das Dreifache.