30 Juni 2006

Supreme Court sprengt Bush-Philosophie

Das kürzliche Urteil des U.S. Supreme Courts im Falle Hamdan vs. Rumsfeld versucht nicht nur den Nebel des Krieges, die der "War on Terror" auf die rechtsstaatlichen Ideale der Innen- und Außenpolitik der USA brachte aufzulösen, sondern stellt auch ein Bekenntnis zugunsten eines durch demokratisch-pluralistische Meinungsbildung legitimierten Gesetzgebungsprozesses dar, der einer ekzessiven Machtausübung der Exekutiven entgegensteht.

Demnach sind die Militärtribunale, die President Bush einrichtete, um verdächtigte al-Qaeda-Mitglieder abzuurteilen mit Nachdruck höchstrichterlich abgelehnt worden. Die Argumentation der Administration nach breiter Auslegung der starken Exekutivmacht des Präsidenten in Anti-Terror-Angelegenheiten ist mithin in gegebener Form nicht mehr haltbar.

Einwände der Administration wegwischend, den "Commander-In-Chief" während eines Krieges nicht zu unterminieren, hat eine 5-3 Mehrheit der obersten Verfassungsrichter entschieden, dass die Militärkommissionen, die durch Bush in einer Anweisung an das Militär am 13. November 2001 eingerichtet wurden, nicht durch Bundesrecht authorisiert waren, als auch nicht von militärischer Notwendigkeit benötigt wurden und zudem mit der Genfer Konvention unvereinbar sind.

Nun müssen entweder die besagten Kommissionen der regulären Militärgerichtsbarkeit unterstellt werden, oder der Kongress um spezifische Erlaubnis gefragt werden, wie anders weiter verfahren werden soll.

Während das Urteil nur die Militärkommissionen umfasste, gehen Rechtsanalysten davon aus, dass daraus auch Rückschlüsse auf andere umstrittene Exekutivmaßnahmen, wie den nicht durch richterliche Anordnung verfügten Telefonüberwachungen durch die NSA oder der Kontrolle internationaler Finanzströme gezogen werden dürften.

For five years, President Bush waged war as he saw fit. If intelligence officers needed to eavesdrop on overseas telephone calls without warrants, he authorized it. If the military wanted to hold terrorism suspects without trial, he let it.

Now the Supreme Court has struck at the core of his presidency and dismissed the notion that the president alone can determine how to defend the country. In rejecting Bush's military tribunals for terrorism suspects, the high court ruled that even a wartime commander in chief must govern within constitutional confines significantly tighter than this president has believed appropriate.


Hier zeigt sich eine erste richterliche Überprüfung von Bushs Philosophie des "Erst-Handelns" statt um Erlaubnis zu fragen - eine Eigenschaft übrigens, die von vielen Unterstützern der Regierung als Führungsstärke ausgelegt wird.

He asserted that in this new era, a president's inherent constitutional authority was all that was needed. Lawmakers and judges largely deferred to him, with occasional exceptions, such as the Supreme Court two years ago when it limited the administration's ability to detain suspects indefinitely.

"There is a strain of legal reasoning in this administration that believes in a time of war the other two branches have a diminished role or no role," Sen. Lindsey O. Graham (R-S.C.), who has resisted the administration's philosophy, said in an interview. "It's sincere, it's heartfelt, but after today, it's wrong."

Bruce Fein, an official in the Reagan administration, said the ruling restores balance in government. "What this decision says is, 'No, Mr. President, you can be bound by treaties and statutes,' " he said. " 'If you need to have these changed, you can go to Congress.' This idea of a coronated president instead of an inaugurated president has been dealt a sharp rebuke."


Links:

Washington Post

Washington Post II

22 Juni 2006

"Getting Things Done"

Welcher von Produktivitätssteigerung überzeugter Technikfreund träumt nicht davon, dass sämtliche zu erledigende Aufgaben sich in einem Gerät automatisch erfassen lassen, damit man seine Zeit zur Erledigung eben jener Aufgaben besser einteilen kann?

David Allen ist Autor des US-Buchhits "Getting Things Done – Die Kunst der stressfreien Produktivität" (kurz: GTD) und einer der bekanntesten amerikanischen Experten in Sachen Zeitmanagement und Selbstorganisation. Das von ihm entwickelte GTD-System basiert darauf, dass der Mensch auf hereinkommende Aufgaben sofort reagiert – entweder durch sofortige Erledigung (falls die Komplettierung nur wenige Minuten dauert), Delegierung oder Aufnahme in To-Do- und Nachverfolgungslisten, die dann abgearbeitet werden können, wenn Zeit für größere Projekte vorhanden ist.

Wie unpraktisch Kalender für eben jenen Zweck sind, erfährt man wehleidig schon von der Schulzeit an. Weil oft Verpflichtungen nicht eingetragen wurden, oder gerade der Planer nicht dabei war, ist schon so mancher wichtige Termin geplatzt.

Mit der heute verfügbaren Technik verlagert sich nur das Problem. Die große Mehrzahl der heute erhältlichen Gadgets hilft uns nur dabei, diese Information schneller in
kleine Teile zu zerlegen. Aber es gibt vom System her keinen Unterschied, ob man seinen Kalender nun in der Hosentasche oder beispielsweise im Internet hat.

David Allen dazu: Ich selbst habe einen Palm, den ich erst gar nicht benutzen würde,
wenn er nicht diese praktische Monatsansichtsfunktion hätte. (Dies ist einer der Gründe, warum Palms im Vergleich zu anderen Produkten zum Zeitmanagement besser sind.) Der Palm hat aber gleichzeitig einen großen Nachteil: Es gilt bei seiner Benutzung das Motto "Aus den Augen, aus dem Sinn".

Bei allen Möglichkeiten, die sich bieten, darf man nicht vergessen, dass sich schlechte Organisation nicht wegterminieren lässt. "Wer jedoch überarbeitet ist, wird am Ende genauso fertig sein, egal ob sein Kalender nun auf Papier oder elektronisch und online geführt wird.", sagt Experte Allen.

Sogar Microsoft Research forscht an den Grundlagen der Familienkommunikation ("Das Geheimnis der Kühlschranktür") mit dem Ziel nach besserem Verständnis komplexer Organisationssysteme. Und was eignet sich nicht besser als Anwendungsbereich für Forscher, als die Kommunikation von Familienmitgliedern untereinander zu analysieren?

Eine weitere Komplexitätsebene kommt dabei noch hinzu. "Familienkommunikation, das mussten die Microsoft-Forscher erfahren, erfordert nämlich ein sehr sensibles Gleichgewicht von Informiertheit und Ahnungslosigkeit, von Hin- und Weghören. Eine Technik, der man sich nur rabiat entziehen kann, ist dafür ungeeignet." Schließlich müssen die Eltern ja nicht alles wissen.

Noch sind wir von der Umsetzung solcher Managementsysteme, die uns die Möglichkeiten zeigen, schnell zu sehen, was wir in jener Situation als nächstes erledigen könnten, weit entfernt. "Papier, auch das mussten die Microsoft-Forscher etwas frustriert erkennen, ist ihren elektronischen Erfindungen oft weit überlegen. Nichts ist so flexibel in den verschiedensten Zusammenhängen für Sicherung und Weitergabe familiärer Daten einsetzbar wie kleine gelbe Klebezettel. Und was darauf nicht steht, das hat die gute Familienmanagerin einfach im Kopf."

Der Traum seinen Kopf dank der Technik endlich frei zu bekommen ist aber noch lange nicht ausgeträumt. Sicher werkeln fleißige Tüftler schon an zukünftigen Lösungen des Problems.

Links:

http://www.heise.de/tr/artikel/72467

http://www.zeit.de/2006/11/C-Glasfamilie?page=all


13 Juni 2006

Jung und Machthungrig

"Jung und machthungrig sucht Job im Parlament." Nein, nicht die heute stattfindenden Fachschaftsrats- und Senatswahlen an der Universität Freiburg sind gemeint! Sondern die einflussreichste staatliche Institution: die Legislative.

Im April hat das oberste Organ der regierenden Partei "Vereinigtes Russland" ein Quorum eingeführt, wonach auf Bundes- als auf Regionalebene 20% aller Kandidaten der Parteiliste in zukünftigen Wahlen mit 21 bis 28-jährigen Kandidaten besetzt werden muss.

"Es ist das erste Mal in der russischen Geschichte, dass eine Partei die Entscheidung getroffen hat die reale Macht zu teilen," sagt Ivan Demidov, ein ranghoher Offizieller des Jugendflügels der Partei. "Dies ist der erste tatsächliche Schritt, um die Staatselite zu erneuern."

Von Kritikern wird Demidov als Showman abgetan, der sich an die Spitze einer modernen Marketingmaschinerie gestellt hat, die den jungen Menschen Russlands die Politik schmackhaft machen soll.

Jedoch ist der konsequente Schritt zu begrüßen, mitdem das Vorhaben in Russland umgesetzt werden soll. Die Probleme Jugendliche für die gewachsenen parteipolitischen Strukturen zu gewinnen sind auch in Deutschland offensichtlich, wenn man sich beispielsweise nur die Altersstruktur der Großparteien anguckt. Das Durchschnittsalter der Parteimitglieder beträgt bei der CDU 55,3 Jahre, das "Jugendproblem" ist bei der SPD sogar noch gravierender.

Nach eigens erlebten Erfahrungen fällt es den verantwortlichen Parteioberen schwer Jüngeren wirklich Verantwortung - sprich Positionen mit Machteinfluss - zu übertragen. Die Entscheidungsprozesse wirken diffus und sind entschieden zu lang. Mit Aktionen wie z.B. "Black is Beautiful" der Jungen Union mag man mehr oder weniger Aufmerksamkeit schaffen. Wirkungsvolle Politikbeteiligung lässt sich jedoch nicht durch Marketingmaßnahmen und Partyveranstaltungen erreichen!

Das Jugendquorum mag eine wünschenswerte Maßnahme darstellen, doch zunächst muss die Bereitschaft da sein, Macht auch wirklich an die jungen Engagierten abgeben zu wollen. Und gerade hier entscheidet letztlich das Machtspiel um die Verteilung der Listenplätze. Denn nichts ist demotivierender als an den Prozessen konstruktiv mitarbeiten zu wollen, es jedoch mangels Position effektiv nicht zu können.

Sofern es genügend ältere Kandidaten gibt, werden es die jüngeren schwer haben sich gegen jene Konkurrenten durchzusetzen. Wenn es sich jedoch rumsprechen sollte mit Einsatz von Leistung auch schnell an die richtige Position zu gelangen, dürften auch nicht mehr nur partyhungrige Karteileichen gewonnen werden, sondern die Parteiarbeit für fähige und engagierte junge Menschen deutlich attraktiver werden.

Links: Washington Post

12 Juni 2006

Gut geschmiert läuft's besser

Tom DeLay, ehemaliger House Majority Leader der Republikaner tritt ab von der politischen Bühne. Für Beobachter der amerikanischen Politikszene kam dieser Schritt nicht überraschend, nachdem September 2005 das Ausmaß des jüngsten Spendenskandals um den Lobbyisten Jack Abramoff DeLay zunächst das Amt kostete, als auch vor kurzem nun seine politische Karriere.

Ruth Marcus dazu in der Washington Post:

No one who's seen Tom DeLay operate over the years could have expected the Texas Republican to go gently: The Hammer always comes down hard. But DeLay's farewell address on the House floor last week was nonetheless stunning for its sneering, belligerent partisanship.

This was not the case of a politician who happened to hit a jarring note at just the wrong time. DeLay made clear that he wanted to leave the way he behaved throughout his 22 years in Washington -- contemptuous of the opposition and unrepentant about his cutthroat tactics. [...]

He's under indictment in Texas and out of power in Washington; it seemed gratuitous to kick the man on his way out. But DeLay's speech cries out for, if nothing else, a review of the ethical and political wreckage left behind.

Lobbyist Jack Abramoff -- "one of my closest and dearest friends," as DeLay once described him -- was one of the chief financiers of DeLay Inc., trading on his access to DeLay and his office to make millions. DeLay's former communications director Michael Scanlon has pleaded guilty to conspiring to bribe public officials when he left the Hill to work with Abramoff. DeLay's former deputy chief of staff Tony Rudy admitted taking bribes while working for the Texan -- not only the usual grubby gift bag of skybox seats and golfing trips but also $86,000 in payments funneled to his wife's consulting company.

Fragt sich immer wieder nach der gesunden Distanz zwischen Lobbyisten und Politikern - auch in Deutschland. Zu naiv wäre es anzunehmen, dass solche Gefälligkeiten nicht auch hier möglich wären. Von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) ist über die Funktionsweise von Politik und Lobbyismus hier eine informative PDF-Datei zu beziehen, um sich einen ersten abstrakten Überblick über die Problematik zu verschaffen.

Warum wird von sechs Bundestagsabgeordneten beispielsweise eine erhöhte Transparenz der Auskunftspflicht über Nebeneinkünfte so intensiv bekämpft? Ein Schelm, wer böses dabei denkt.

Könnte doch die Politik gerade indem sie offenlegt, wieviel jeder einzelne Mandatsträger zum öffentlich bezahltem Mandat hinzuverdient, ein beliebtes Stammtischargument entkräften und zusätzliches Vertrauen in die Institutionen schaffen. Dass die Politik sich nicht kaufen ließe.

11 Juni 2006

Schere, Stein, Papier für US-Anwälte

Aus der Abteilung Kurioses:


Washington - Ein genervter US-Richter will den Dauerstreit zwischen zwei Anwälten jetzt mit Hilfe des Kinderspiels "Schere, Stein, Papier" beilegen.

Richter Gregory Presnell in Orlando (US- Bundesstaat Florida) ordnete an, dass die Juristen damit die banale Frage klären, in welchem Zimmer ein Zeuge vernommen werden soll.

Quelle: Web.de


Nach Erfahrungen mit Korrektoren an der juristischen Fakultät glaube ich, dass dieses System
auch bei der Notenfestlegung unter Korrekturassistenten eine wichtige Rolle spielt.

08 Juni 2006

Pianistin zu Gast

Anlässlich des Bundeswettbewerbs "Jugend musiziert", der vom 31.05. bis zum 07.06. 2006 in Freiburg stattfand, war meine Schwester und Pianistin Constance Seyfarth zu Gast.

Hautnahe Einblicke in die Vorbereitung für den alles entscheidenden zwanzigminütigen Auftritt vor der Jury war es mir dabei möglich mitzuerleben. Constance begleitete auf dem Piano den Schüler Constantin Gerstein, der mit seinem Fagott den 1. Preis mit hervorragendem Erfolg und 24 Wertungspunkten in seiner Altersklasse erreichte.

Herzlichen Glückwunsch den beiden zu dieser hart erarbeiteten Leistung!

06 Juni 2006

Löchert Politiker! Als junger Medienmacher auf den Jugendmedientagen 2006 in Berlin

Unter dem Motto "Jugend und Politik - [k]ein Auslaufmodell?!" fanden vom 18. bis zum 21. Mai die Jugendmedientage 2006 im Deutschen Bundestag in Berlin statt. Vier Tage lang waren 600 junge Medienmacher Im Alter von 15 bis 25 Jahren mit spannenden Referenten aus Medien, Politik, Kultur und Gesellschaft am diskutieren, die Arbeit der Abgeordneten begleiten, und Kontakte knüpfen. Nachfolgend ein Bericht aus der Mitte des Geschehens.

Day 1

Fahre mit der Bahn und erlebe etwas! Neben der fast obligatorischen 30-minütigen Verspätung, kann man auch auf Menschen mit bizarren Interessen stoßen. Je weiter nördlicher man so mit der Bahn fuhr desto schlechter wurde das Wetter. War es in Freiburg noch sonnig und warm, so war in Berlin dann der absolute Nullpunkt mit strömenden Regen bei kühleren Temperaturen erreicht. In diesem Regen durfte man dann vom Bahnhof Zoo über den Gesundbrunnen zur Max-Schmeling-Halle gehen, um dann am Eingang eine Menschenschlange zu erblicken, die nichts gutes verhieß. Wenn Presseleute anfangen zu organisieren, kam es mir in den Sinn ...


... nachdem mir dann die vielen Unterlagen, Werbebroschüren und Gratiszeitschriftenexemplare ausgehändigt wurden, erspähten Reporteraugen ein Opfer für ihr Interview und hielten mir ihr Mikro unter der noch vom Regen nassen Nase hin. Willkommen auf den Jugendmedientagen - damit musste gerechnet werden!

Abends sah das Programm eine Diskussion mit Christoph Schlingensief, Günther Wallraff etc. vor und so konnte ich mich am Nachmittag bis zum Abend mit meinem Potsdamer Freund Dirk A. Heyen am Hackeschen Markt treffen und gemeinsam einem Aktionskünstler bei der Arbeit beobachten. Sehr spannend und aufmunternd.



Den letzten 15min der Diskussion konnte ich entnehmen, vorher nicht viel verpasst zuhaben, da ich erst später bei der Akademie der Künste eintraf. Am Ende des Abends ergab sich dann noch ein ausführlicheres Gespräch mit Herrn Schlingensief himself, der ja als ziehmlich umstrittener Regisseur und Künstler gilt. Dass er ein wandelndes Energiebündel ist, fiel mir dabei auf, und auch was seine Kunst betrifft Rückgrat zeigt, wenn es gilt sie zu vertreten.

Dann ging's wieder in die Oranienburger Str. - wo für diese Nachtzeit wenig Betrieb herrschte und nur ein Mädel flankiert von zwei Männern vom Escortservice als Berufseinschlägige auszumachen waren. Zeitpunkt: 00.30 Uhr

Day 2

Der Tagesplan sah für 07.45 Uhr Einlass im Jakob-Kaiser-Haus vor, was praktisch 06.20 Uhr als Aufstehzeit festsetzte. Im Bundestag trafen wir dann auf amerikanische Schüler aus dem Parlamenentarischen Austauschprogramm und wurden von Fraktionsgespräch zu Fraktionsgespräch weitergeschleift.



Bei der CDU war der Haushaltsexperte M. Meister unser Ansprechpartner. Der Inhalt seines Vortrags war etwas karg und enthielt die üblichen Politik-Floskeln. Politiker kennen ja auch immer einen Ausweg aus brenzligen Situationen in denen unangenehme Fragen gestellt werden, so auch hier auf detailiertere Nachfragen. Der CDU kann man zu gute halten einen gestandenen Fachpolitiker in die Höhle voller neugierigen Jungjournalisten geschickt zu haben. Bei der SPD gab's dagegen wenig Politik und mehr Ausführungen über die Funktionsweise einer Pressestelle anzuhören.

Als wahre Meister der Umschiffung heikler Fragen gaben sich dann die Abgeordneten der Links-Fraktion zu erkennen. Auch sonst bewiesen die "Linken" linkisches Potenzial. Gab es doch gerade vor deren Fraktionssaal USB-Sticks samt großer roter hochwertiger Taschen als Geschenk für die jungen Medienleute abzugreifen. Kann man sich die Gunst noch günstiger erkaufen, fragt sich da? Auf die Frage wie sie dazu stehen, dass sie in Regierungsverantwortung in Landesparlamenten auch Sozialeinschnitte mittrügen und dies zwischen der Fraktion und der Basis wohl zu Unstimmigkeiten führe, feuerten die anwesenden Abgeordneten ganze Raketensalven an Ablenkungsgeschichten ab. Erst nach Ende der Fraktionssitzung traf ich auf dem "Bundes-WC" auf einmal Bodo Ramelow wider, der übrigens von seinen Parteikollegen informal auch als "Commander" angesprochen wird. Auf dem Gang ergab sich dann ein fünfminütiges Gespräch mit etwas mehr Klartext über die Themen Steuerfinanzierung und Zukunftsbestand der Linkspartei. Im Gegensatz zum "Trio Infernale des Populismus" Gysi, Ernst und Lafontaine ist Ramelow auch als Strippenzieher im Hintergrund ernst zu nehmen.

Am Nachmittag ging's dann zum Büro der Wochenzeitung Die Zeit, wo wir zum Oberbegriff "Fußball-WM" nach noch nicht ausgelutschten Themenideen fahndeten und anschließend die zu schreibenden Stories verteilten.



In der Diskussion über die Methoden offenbarte die zuständige Redakteurin Heike Faller, dass Interviews bzw. auch Wortzitate in den deutschen Medien zum größten Teil nicht authentisch sind, was mich dann doch etwas erschütterte. Schließlich lebt das Interview doch gerade von der Authentizität des Gesagtem. Sie meinte je höher die interviewten Personen in der Hierarchie, desto authentischer werden die geführten Zitate/Interviews auch, doch hatte ich von Qualitätszeitungen in Deutschland einen strengeren Codex erwartet. So bleibt es jedem Redakteur selbst überlassen wie er die Sache angeht. Mir lag das Thema Fußball dagegen nicht so sehr und was läge da näher als einen Kommentar über WM-Verdruss zu schreiben?

Noch ein wenig Nachschlag zum reich gefüllten zweiten Tag: Zum Abschluss ging es in den Bungalow-Club in die Invalidenstraße, wo VW eine riesige Party veranstaltete. Die EOS-Night stand unter einem "All white"-Dresscode samt Invitation-only Gästeliste, was eine himmlische Atmosphäre von lauter umherwuselnden Engelchen schuf. Auch hier ist es ausgesprochen praktisch, wenn man als junger (Kurzzeit-)Medienmensch auf der Gästeliste steht.

Das Publikum kann ich nur als skuril bezeichnen. Ein Großteil hatte die 30'iger Grenze auch schon überschritten und ließ sich ein Glas Schampus nach dem anderen einschenken. Der Club selbst ist erst eine Nacht später offiziell eröffnet worden, was dafür sorgte, dass das Personal sich bei dem pre-opening deutliche Mühen gab sämtliche Wünsche der Gäste zu erfüllen. Neben leckeren Baumkuchenhäppchen gab es auch eine nicht zu verachtende Palette an Freigetränken. Der ausgeschenkte italienische Rotwein war jedenfalls bester Qualität.

Day 3

Da es mächtig spät wurde habe ich die ersten Diskussionsrunden im Paul-Löbe-Haus ausfallen lassen und kam gerade richtig zur Lunchpaket-Ausgabe. Anschließend ging es dann sofort zum ZEIT-Hauptstadtbüro, wo wir mit Thomas E. Schmidt und einer Layoutmitarbeiterin unseren Texten den letzten Schliff verabreichten. Wieder zurück im Paul-Löbe-Haus mit unseren gedruckten Artikeln in der Hand gab es am Abend eine Diskussionsrunde über "unparteiische Hauptstadtberichterstattung" im Foyer, u.a. mit Sandra Maischberger, Hans-Ulrich Jörges [Stern] und Sebastian Graf von Bassewitz [Bild]. Nach Ende konnte ich mich noch sehr gut mit Herrn Jörges unterhalten, der u.a. die zu enge Beziehung von Journalisten und Politiker anmahnte. Auch Informationshändler kritisierte er scharf. Schon bei der Bewertung des Kanzlerduells war mir aufgefallen, dass Jörges sich nicht vom Mainstream verbiegen lässt und dagegen Meinungen vertritt, die ich für sehr vernünftig und tiefgründig recherchiert halte, anstatt dem Volke nach dem Munde zu reden. Dieser Eindruck ist im Gespräch dann noch vertieft worden.
In der Debatte selbst wurde ihm jedoch nicht so sehr Beifall gezollt. Dagegen gab es am meisten Applaus für BILD-kritische Kommentare aus dem Publikum. Am Vormittag soll es da auch zum Eklat in einer Podiumsdiskussion gekommen sein, als angeblich der Leiter der Springer-Journalistenschule die polemische Äußerung tätigte, dass wohl die Anwesenden Jungjournalisten - sofern sie nicht bei Lokalredaktionen landen wollten oder für die Arbeitslosigkeit studierten - sich Springer gegenüber wohlgesonnener verhalten sollten. Das kam wohl unheimlich arrogant beim Publikum an.

Sandra Maischberger wurde von den jungen Medienmachern geradezu fliegenschwarmartig umringt. Gegen Ende - kurz vor Schließung der Räumlichkeiten - antwortete sie auf nachfrage meinerseits, ob ihr eine solche Belagerung täglich widerfährt, ebenso elegant wie selbstironisch mit: Nein, es wird weniger!
Mit einem weiteren Freund, Stephan Ruhland, traf ich mich anschließend und konnte ihm einiges neues bezgl. des Jurastudiums etc. berichten. In einem Steackhaus wollte er von mir detailiert die Funktion des Straf- und Zivilrechts wissen, welche ich ihm lege artis in einer Vielzahl an möglichst nachvollziehbaren Sätzen vermittelte. Bis um kurz vor vier Uhr morgens ging das Gespräch dann in der Wohnung meines Cousins weiter.

Day 4

Im Besucherrestaurant "Käfer" des Bundestages gab es dann am Abschlusstag das Mittagessen zu empfangen. Danach hieß es dann "ENDE der Veranstaltung!" und raffte mich auf, um den anstrengenden sechsstündigen Rückweg gen Freiburg anzutreten. Leider verpasste ich meine erste Rückfahrgelegenheit um zwei Minuten, sodass ich eine Stunde Aufenthalt auf dem Bahnhof in Kauf nehmen musste. Im Nachbarabteil grölten Hauptschüler von Berlin bis nach Frankfurt unentwegt saloppe Beleidigungen umher und nervten mit ihrem Gehabe so ziehmlich die gesamte Umgebung. Soviel zu: "Bahnfahren macht Spaß"!

Nachdem die Unruhestifter endlich weg waren, stieg zufällig Vannessa Struhler mit einer Freundin zu mir ins Abteil. Erst im Gespräch offenbarte sich, dass sie bei "Deutschland sucht den Superstar" recht erfolgreich mitsang und nun seit zwei Jahren mit einem Produzenten und ex-DSDS-Jury-Mitglied Musik betreibt. Dass ich sie nicht erkannt habe liegt wohl einfach daran, dass der ganze Star-Bereich eigentlich überhaupt nicht mein Interessenbereich ist. Sie schien es mir jedoch nicht übel zu nehmen und berichtete über Probleme und Alltägliches im Showbiz, was man sonst durch die Medien nicht mitbekommt und erinnerte mich darin stark an meine Schulkameradin Doreen Kaleita aus Parchimer Tagen.

Hier
sind Verweise auf Fotogalerien aufgelistet, für diejenigen, die gerne mehr Bilder anschauen wollen. Die hier gezeigten Fotos sind entweder privat entstanden, oder den gerade angegebenen Gallerien entnommen.

Jetzt geht's los.


Strafrecht kann ganz nützlich sein. Nicht nur erfährt man, dass neben den üblichen Straftatbeständen auch Exoten wie beispielsweise das Freisetzen ionisierender Strahlen (§ 311) unter staatlicher Sanktionierung gestellt ist; auch einige Wendungen des BGH schleichen sich in den täglichen Sprachgebrauch mit ein, die einem im normalen Leben vielleicht nicht auf den ersten Blick verdächtig erscheinen.

Nun, möchte man meinen, was hat dies denn bitte mit diesem Blog zu tun? Einfach alles. Die Schwelle zum "Jetzt geht's los!" ist mit diesem Post überschritten und ich darf von nun an dem interessierten Leser einen kleinen Einblick im Leben eines Jurastudenten in Freiburg i. Br. liefern.

Von A wie Absurditäten bis Z wie Zeitüberbrückung wird kein Buchstabe ausgelassen, der das Leben des Verfassers dieser Zeilen bestimmt.

Auf diese Reise durch lesenswerte Zeitungsartikel, spannende Bücher und berichtenswerte Ereignisse möchte ich Sie dabei gerne herzlich mitnehmen.
Scheuen Sie bitte auch nicht davor zurück sich mit konstruktiven Kommentaren oder Anregungen an der Diskussion rege zu beteiligen.

In diesem Sinne viel Vergnügen,

Ihr Marcus Seyfarth